Marine-Regatta-Verein Stützpunkt Bielefeld e.V.




Segelwoche Kroatien 12.05. – 20.05.2017

von Carola Hülshoff

Protagonisten:
Thomas und Birgit (Unser Vorsitzender und seine bessere Hälfte ?)
Stefan und Lukas (Vater und Sohn)
Simone (hatte finanziell den Hut auf)
Bernd (Neu-Segler)
Wolfgang (Skipper)
Carola (Neu-Seglerin)

Am 12.5 ging es endlich los: Nach wochenlanger Planung und den ersten Besprechungen noch bei Tee und Spekulatius, war es so weit. Treffen zunächst bei Thomas, dann bei Stefan, Aufteilen des Gepäcks und der Personen auf zwei Autos. 22:00 ...wir waren gar nicht müde, sondern voller Vorfreude und entsprechend aufgeregt.


Den ersten von vielen weiteren Lachern löste Stefan aus, als er seine Autohandschuhe mit Löchern anzog. Einige schauten überrascht – sieht man ja nicht mehr sooo häufig - doch Stefan erklärte uns, dass, wenn es ums Gefühl ginge, er IMMER Handschuhe nähme. Stille, dann prustendes Lachen. Das ging ja gut los.
Die Nacht war lang, 1300 km wollten bewältigt werden. Wir fuhren aufgrund des guten Wetters über die Alpenpässe, ein echtes Erlebnis für die Augen! Leider musste ich dann auch fahren und konnte Thomas nicht immer sehen, die Serpentinen forderten mir schon was ab. Fremdes Auto, völlig übermüdet, egal, ist alles gut gegangen.
Am nächsten Morgen frühstückten wir in Österreich bei der unfreundlichsten Bäckerei, die man sich denken kann. Auch das: Egal! Wir wollten SEGELN, nicht Freundschaften schließen.
20170513 141748Nachdem wir in Pula angekommen waren, genehmigten wir uns erst mal ein gepflegtes Ankunftsbier, so morgen um 10 genau das Richtige, wenn man eh nicht geschlafen hat ?
Proviant übernehmen, Kojen verteilen, Gepäck verstauen, alles schön über den schmalen Steg. Wir sprachen über interessante Themen wie Bullenstander, auch Bielefelder Spezialitäten wie Pillepoppen (Kaulquappen), der Unterschied zwischen Dolze (Puppe)und Bolze (dicke Katze) wollte erklärt sein.
Lukas (Mechaniker) begeisterte sich für die Technik unserer Bavaria, was sich noch als großes Glück herausstellen sollte.
Neu Bezeichnungen wurden kreiert, der Schlafmangel forderte seinen Tribut. Thomas wollte an die Kugelfender (von Birgit) aber nur, wenn wir in der Lage wären ihm den Lümmelbeschlag zu zeigen. Müde und Bier ...das kommt dabei heraus. Stefan fand nach dem 2. Bier meinen Nagellack „Hamstera...rosa“.
Doch bevor wir vor lauter Müdigkeit übermütig werden konnten, stellte sich dank Lukas Neugier heraus, dass der Motor trocken war – von Getriebeöl keine Spur. OH je ...was nun? Der Vercharterer war überrascht und etwas ratlos. Eventuell müssten wir auf ein anderes Boot umziehen. Nach etwa 2 Stunden war klar, Öl jetzt drin, Motor läuft gut, alles i. O. Thomas war mehr als glücklich, als er sagen konnte: Der nagelt so vor sich hin.
Wolfgang zeigte uns noch den geworfenen Palstek, wir gingen die restlichen Vorräte einkaufen und machten nicht mehr viel. Die Buchhaltung (Birgit und Simone) erklärten die Kosten, woraufhin ich vorschlug, nichts zu essen, das wäre ja doch teuer. Stefan protestierte heftig. Ich schlug dann vor, lieber zu trinken, was Stefan mehr Begeisterung entlockte.
Abends begann unsere „Knoblauch-Challenge“. Essen gehen, gehackter Knoblauch in Öl, lecker und schützt vor Seemonstern.
P1040207Am nächsten Morgen war Lagebesprechung. Wir wollten nach Susak. Es gab die Sicherheitseinweisung, Klobedienung (hätte ich DAS vorher gewusst, wäre ich bestimmt nicht mitgekommen).
Das Wetter meinte es sooo gut mit uns: Wir konnten unter Segeln draußen frühstücken. WIE besonders das war, konnte ich erst im Laufe der Woche bewerten. Es war wunderschön!!! Birgit macht Frühsport und sucht immer wieder ein sonniges Plätzchen. Bernd, unser Lehrer erklärte, dass die Sonne immer wandert! Wolfgang erklärte uns den Schlampenstempel. Politik und Wahlen beschäftigen uns. Wir Frauen hatten das Bedürfnis nach Sonne auf dem Vorderdeck und liebster Thomas brachte uns kalten Sekt. Kann das Leben schöner sein???
SDC14992Abends in Susak gab es keinen Strom, aus Simone wurde immer mal Sabine. Bernd hat den Strommangel ganz einfach festgestellt: ich hab da mal den Finger reingesteckt (in die Steckdosen) Oh Je ...
Sabine ähhh Tschuldigung, Simone will jetzt eigentlich von Bord gehen, sie soll noch mal in den Hafen fahren und anlegen üben. Eine so enge Einfahrt, in der dann auch noch ein anderes Schiff festgemacht hat. Sie hatte etwa 15 cm Platz auf jeder Seite und hat das wunderbar gemeistert!!!20170514 173952Wolfgang ist nach Fesselspielen zumute, da er bemerkt hat, dass ich knotentechnisch noch Luft nach oben habe. Mist ...
Auf meinem Notizblock fand ich am nächsten Tag den Hinweis: Carola ist unser Bordschatz. Mag daran gelegen haben, dass ich regelmäßig den Bierbedarf abfragte und den Pegel im Auge behielt ?. Abends essen auf dem Berg. Es gab viel zu essen und noch mehr Knoblauch!
20170514 211220Bernd und Stefan schlafen Öhrchen an Öhrchen ...Irgendwer schnarcht ganz bezaubernd ...hatten wir viel Freude dran.
Wahlen in NRW, dank Internet bekommen wir alles mit. Auch der Fußball macht Freude Bielefeld schlägt Braunschweig mit 6:0.
Beim Frühstück am nächsten Morgen erklärte ich, dass ich nicht gern bügle - Bernd will auch Simone nicht mehr bügeln – Simone lacht schon am frühen Morgen – unsere Welt war so schön! Außerdem stellten wir alle fest, dass wir es mögen, wenn Menschen denken!
Von Susak aus ging es weiter nach Süden. Wir ankerten in einer klaren Bucht, schwammen mit Fischen, der Preis des guten Wetters: Fahren unter Motor.
Später kam noch Wind, vor der Bora, 7.2 Kn, 20° Schräglage ... für uns Anfänger durchaus eine Herausforderung.
Weiter geht’s nach Ist.
P1040356Lukas am Ruder: Klasse, die Stimmung ist super, Ruhe macht sich breit. Simone fragt sich selbst, ob die Fähre am Horizont so schief sei, oder ob es an ihr läge. Bernd hat einen praktischen Vorschlag: Sie möge noch etwas trinken, dann würde es wieder gerade.
In all dem Lachspektakel ging fast unter, dass Wolfgang uns erklärte, wie man die Notrakete abschießt. Ob jemand dann einen Pyroschein habe oder nicht sei im Notfall egal, wenn er über Bord falle. Bernd flüsterte dann: Ob das überhaupt jemand macht?
So langsam wird es Zeit, den Gennaker mal rauszuholen, von uns liebevoll nur „das Phantom“ genannt. Carola, Du altes Frischluftluder (O-Ton einer der Damen) kriegen wir das Ding hoch? Bernd träumt von Stangen (die nennt man doch MAST!!!). Wir bekommen die Brötchennavigation erklärt. Kennt Ihr nicht? Ganz einfach: Morgens in den (unbekannten) Ort gehen. Brötchen kaufen. Auf die Tüte schauen und – Tadaa: schon weiß man, wo man ist!
In bester Stimmung erreichen wir Ist. Weil noch keine Saison ist, bekommen wir in der kleinen Marina wieder keinen Strom, kein Wasser, keine Dusche, keine Toilette – ABER:Uuuuuunnnnddd: unser Anlegerbier ?
Mir tut von den Planken so langsam der Po weh ...Thomas rät dazu, mehr zu essen, oder die Polster rauszuholen. Birgits Vorschlag ist besser: Trink noch nen Rotwein, Essen ist knapp. Der Klabautermann wirft die Bierdosen um, glücklicherweise nur die leeren, er ist nachsichtig.
SDC15000Am Abend dann Besuch Marc M. aus H besucht uns mit seinem Kumpel. Wir sind das Therapieboot. Ich spinne ordentlich Seemannsgarn, der Inhalt einer mitgebrachten Flasche Baileys verdunstet auf mysteriöse Weise und die Firma Zühlke Solutions wird aus der Taufe gehoben. Birgit und Simone konnten müdigkeitsbedingt leider nicht unterstützen. Allerdings gab’s am nächsten Morgen langen Hafer, da das Deck aussah wie S ... Die Plicht voller Chipsreste (wenn man schon mal Möwen brauchen könnte) ich habe einen veritablen Kater. Simone muss mal allein einen Kaffee trinken gehen. Egal, wir hatten Spaß und eine Geschichte für die Enkelkinder.
Das Nachbarschiff ist quasi tot. Der M. kann nicht geradeaus gehen, wir lachen viel und bekommen Besuch von einer Dackeldame, die sich für unser Frühstück interessiert. Bernd darf abspülen und meint, da er das nicht könne, solle man ihn auswechseln. Aber nicht mit Birgit, die macht ihm klar, dass er nur viel üben müsse. Bernd spült halt mit Denken ...
Im Hafenbecken liegen Hunderte von Seegurken. Wir legen ab, alles ist schön!
P1040416P1040398Unter Vollzeug geht’s mit 7.6 Kn Richtung Zadar. Ich überwinde (dank des liebevollen Zuspruchs der anderen) meine Angst und gehe tatsächlich ans Ruder. Alle sind ruhiger geworden und die Stimmung ist prima. Wolfgangs Tipps werden ernst genommen, die Kommunikation läuft richtig gut. Das Segel wird bei „leichter“ (hahaha) Krängung geborgen, Wolfgang verwöhnt uns mit Schnittchen, Zwieback und Bananen schmecken auch in Schräglage.
Einlaufen in Zadar. Wasserorgel, so schön, Hafen so eng. Gut, dass Thomas das nicht vorher gewusst hat. Aber: Alles schön. Wolfgangs ruhige Art und die Fähigkeit des Teams zu unterstützen, bzw. einfach auch mal die Klappe zu halten, zahlen sich aus. Ja, es gibt noch engere Häfen als Susak. P1040465Bummeln durch Zadar, Übersetzen mit dem kleinen Ruderboot. Ein so dicker Baum, dass alle zusammen ihn kaum umspannen können, leckeres Eis, Sonnenschein, was will man mehr? Simone verwöhnt uns mit ihrem Sundowner! Sehr, sehr gut, davon brauchen wir mehr beim nächsten Mal!
P1040598P1040643Dann: 43 nm Flaute ☹ Anlegen Backbord auf Rab. Pelinkovac kennengelernt. Gruselig. Ich räume an Deck auf und lege eine Schnecke. Au weia!!! Das machen doch nur Motorbootfahrer. Ich lerne ...Lukas will künftig betreutes Segeln anbieten, für Silverager. Wolfgang will Nachtschwimmen im Hafenbecken, dort fischeln die Fische ...wir lernen fürs Leben. Morgen geht’s nach Loscin. Wolfgang verspricht Spifallschaukeln, ich möchte lieber Flautenschaukeln.
P1040666An dem Abend ankern wir in einer Bucht vor Cres. Traumschön! Kristallklares Wasser, Seegurken, Fische - aber auch jede Menge Seeigel. Alle gehen schwimmen, es ist herrlich. Abends kochen wir eine Unmenge Nudeln, der Topf muss lange einweichen, aber all das ist einfach nur schön. Ein Sonnenuntergang, Stille, leises Wasserplätschern, nette Gesellschaft.
Am 19.5. mussten wir dann diese schöne Bucht verlassen und so langsam wieder Richtung Pula fahren. Das Phantom kam noch mal zum Einsatz, noch gut 2 Stunden unter Segeln. Dann reichte der Wind nicht mehr und mit Motorkraft gings zurück. Die Stimmung war heiter, wenn auch schon von Melancholie geprägt. Niemand sprach das Wort „Abschied“ aus, doch es war schon mitten unter uns. Birgit hatte heute Morgen in der Bucht die Leinen losgemacht und brauchte über 2 Stunden, um überhaupt wieder leidlich warm zu werden. P1040728P1040735Wir sind zwischen Losinj und Cres durch die Drehbrücke von Osor gefahren. Dort ist ein wunderschöner Campingplatz. Bernd war an dem Tag etwas speziell ... hat er meine Tabletten genascht??? Thomas entpuppt sich auf die letzten Meter als echter Schlingel, darüber schweigen wir an dieser Stelle lieber.
Dann, Pula kam in Sicht, tanken vorbereiten, ein letztes Mal anlegen ...unsere Tweety hat uns so gut gefallen. Das Boot übergeben, die Taucher abwarten, alles in bester Ordnung. Zuverlässig, ordentlich ausgestattet, alles prima. Abends gehen wir ein letztes Mal in diesem Urlaub essen. Unser Skipper will am nächsten Morgen ganz früh fahren, wir dann so gegen 9:00 Uhr. Eine Regenwand kommt und unsere Luken sind noch offen. Viel zu viel gegessen. Und wieder? Na? Ja klar, Knoblauch in Unmengen ...
Am 20.5. heißt es dann am Morgen: Packen, Abschied von Pula und die Heimreise angetreten. Wir fuhren mit vielen schönen Erinnerungen, etwas Segelbräune, neuen Erfahrungen, neuem Mut und dem festen Entschluss, das auf jeden Fall wieder zu machen!
Nun denn, jetzt ist die richtige Zeit zum Üben:
Thomas setzt sich den Hut auf (ist ja schließlich Winter)
Birgit lässt die Leinen mal los
Simone braucht ab und zu Zeit für sich
Stefan übt schlafen und bleibt so ein toller Deckaufräumer
Lucas macht einen Business-Plan: Segeln für Silver-Ager
Bernd verfeinert seine Spülkenntnisse
Caro übt Knoten
Wolfgang überlegt sich, ob er es noch mal mit uns aushält ?

Carola Hülshoff

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