Marine-Regatta-Verein Stützpunkt Bielefeld e.V.




Törnbericht IJsselmeer

11. Mai 2017 bis 15. Mai 2017

holland 001 600 

Ankunft

Von Donnerstag den 11.Mai bis Montag den 15.Mai fand in diesem Jahr ein Ijsselmeer Törn des MRV Bielefeld statt.

Startpunkt für den Törn war das beschauliche Örtchen Lemmer an der Ostküste des Ijsselmeers. Die Crew, bis auf Skipper Dietmar alles Anfänger was solcher Art Törns angeht, brachen in zwei Gruppen am Donnerstagmorgen auf. Zum einen Willi, der Dieter und Dietmar mitgenommen hat und zum anderen Simone, die mit uns, Heide und Patrick, sich aufmachten, um sich vor Ort in Lemmer zu treffen. Unsere Zeitplanung war großzügig, so dass wir vor dem Übernahme Zeitpunkt eintrafen und schon einen ersten Rundgang durch die Marina von Enjoy Sailing in Lemmer machen konnten. Ein wenig neugierig machten wir uns gleich auf die Suche nach unserem Boot, die Friendship und obwohl diese 38 Fuß Bavaria keinesfalls ein kleines Boot ist, waren wir von den vielen anderen Booten auch schon sehr beeindruckt.

holland 008

Die Übernahme des Bootes gestaltete sich sehr unproblematisch. Obwohl noch vor der Zeit, konnten wir das Boot übernehmen. Nach dem Verstauen unseres Gepäcks besprachen wir erst einmal das weitere Vorgehen und bildeten zwei Gruppen. Die eine sollte die notwendige Verpflegung einkaufen und die andere sollte in der Zeit die Checkliste durchgehen und alles prüfen. Danach sollte es dann noch raus ins Grote Brekken gehen auf dem wir alle ein wenig Motormanöver üben sollten.

Zum Abschluss des Tages stand nun die erste größere Prüfung für Skipper und Crew an, das Anlegen in Lemmer. Dietmar teilte uns ein und erklärte jedem was er erwartete und dann fuhr er uns mit Bravour in die Box. Das war für uns alle schon ein klein wenig aufregend, denn keiner wollte etwas falsch machen.

Nach getaner Arbeit hatten wir noch einen Tisch im Restaurant De Markol direkt in der Marina reserviert. Dort hatten wir unterschiedliche Fischgerichte und einen herrlichen Blick von der Terrasse direkt auf den malerischen Sonnenuntergang. Der leichte Regenschauer, der uns kurz belästigte konnte uns auch beim Genießen nicht wirklich aus der Ruhe bringen, aber er war ein Vorbote dessen, was uns wettertechnisch die nächsten Tage begleiten würde. Schönster Sonnenschein und strömender Regen, aber in der Regel nur mäßiger Wind.

holland 019

Erster Segeltag

Dennoch hatten wir uns für den ersten richtigen Tag viel vorgenommen. Es sollte durch die Prinses Magritsluis ins Ijsselmeer gehen und dann knapp 35 Seemeilen über Den Over in die Nordsee bis Texel. Bei 5 Knoten ein Vorhaben von etwa 7 Stunden. Um neun Uhr sollte es losgehen und wenn alles gut ginge, wären wir um 16 spätestens 17 Uhr auf Texel. Ablegen und Kanal waren kein Problem, na ja auch wenn wir fast einen Fender in der Schleuse gelassen hätten, aber Willi konnte den Fender noch retten. Dann ging es los auf das Ijsselmeer und wir setzten Segel. Dieser morgen war bedeckt und der Wind launisch. Außer uns sahen wir nur wenige Berufsschiffer, aber keine Segler und leider machten wir zumeist kaum 3 Knoten Fahrt, eher weniger. Der Kurs war etwa 270 immer gen Westen. Dietmar und Dieter, der bald seine Prüfung für den SKS machen wird, zogen sich nach unten zurück, um den Kurs zu bestimmen. Die Stimmung an Bord war hervorragend auch wenn sich immer mehr abzeichnete, dass wir unser Ziel Texel in der vorgesehenen Zeit nicht würden erreichen können.

holland 052

So probierte wer wollte seine Künste am Steuerrad und wir mühten uns gen Westen. Kurz vor Mittag hatten wir dann die Welle quer ab und das Boot tanzte und rollte ein wenig. Genug aber, dass ein Aufenthalt unter Deck dem einen oder der anderen nicht gut bekam. Oben an Deck war das Geschaukel deutlich besser zu überstehen.

holland 051Nachdem wir uns etliche Stunden gemüht hatten und mit der Aussicht, Texel nur noch erreichen zu können, wenn wir unter Motor weiter führen, wurde als neues Tagesziel Hindeloopen festgelegt.karte1

Nachdem bei den meisten die Enttäuschung darüber verflogen war, dass wir nicht das Ijsselmeer gen Nordsee verlassen würden, hatte Dietmar eine neue Idee „Erwin über Bord“. Auch das ging nicht ohne weitere Aufregung über die Bühne, denn nach der Wende und weiteren Erläuterungen war Erwin plötzlich wie vom Seeboden verschwunden. Jetzt ging die Suche los, aber zum Glück konnten wir ihn dann doch finden. Allerdings ging diese Rettung mit dem Verlust des Schrubbers überein, so dass das nächste Manöver Schrubber über Bord gleich hinterhergefahren werden mussten. Freilich auch ein akrobatisches Manöver bei dem Dieter bei heruntergelassener Badeplattform den Schrubber herausgefischt hat. Das war der richtige Zeitpunkt, um nach den Pannen bisher, einfach noch einmal Erwin über Bord gehen zu lassen und siehe da, alles klappte wie am Schnürchen auch wenn wir Erwin erst im dritten Anlauf aus dem Wasser bekamen.

In Hindeloopen hatten wir schönsten Sonnenschein und ein wenig Zeit zunächst auf eigene Faust den Ort zu bestaunen, bevor wir uns zum Essen treffen wollten. Eigentlich sollte es Kibbeling sein, eine niederländische Spezialität. Nur hatte die Fischbude im Hafen geschlossen, also mussten wir uns mit einem anderen Restaurant begnügen. Den Abend haben wir schließlich mit Musik unter Deck ausklingen lassen.

 

Zweiter Segeltag

karte2

Eine Weiterfahrt nach Texel war nicht möglich, da die erste Gruppe arbeitsbedingt bereits am Sonntag zurückreisen musste und die Strecke Texel – Lemmer dafür zu lang geworden wäre. Daher war Ziel des zweiten Tages Enkhuizen. Zunächst hatten wir Den Oever als Zwischenstopp angepeilt und die dortige Schleuse in die Nordsee, aber auch hier wurde absehbar, dass wir dann nicht bis Enkhuizen kommen würden. Zwischendurch hatten wir dann auch schönstes Regenwetter, durch das wir zum Teil mit Motorkraft fahren mussten. Wir mussten entscheiden, ob wir Den Oever und dann einen anderen Hafen anlaufen, oder lieber doch Enkhuizen anlaufen und Den Oever auslassen. Schließlich ist Enkhuizen eine wunderschöne Stadt. Zum Glück entschieden wir uns für Enkhuizen, denn Dietmars schwärmen für Enkhuizen war absolut berechtigt. Der Segeltag war eher ruhig und beschaulich, wenn auch sehr nass, aber kurz vor Enkhuizen kam doch noch so viel Wind auf, dass wir den Törn Rekord von 7 Knoten erreichten. In Enkhuizen angelangt wollten wir erst im alten Hafen festmachen, der war aber derart überbelegt, dass die Boote schon in Dreierpäckchen lagen, also zurück zum Yachthafen. Dort bekamen wir am letzten Steg einen Platz zugewiesen. Dort angelangt kam Dietmar, durch das bisher vorbildliche Verhalten seiner Crew und dem gerade abgehaltenen Skippertraining auf dem Trockenen, kurzerhand zu dem Entschluss rückwärts anzulegen. Leider war das dann doch zu spontan für uns, so dass das Manöver ein wenig holprig wurde und die besorgten Eigner links und rechts unserer Box auf Deck trieb. Doch auch hier zeigte Dietmar einmal mehr, dass er die Situation gut im Griff hatte und ordnete unser Durcheinander, so dass wir am Ende zwar nicht schulmäßig aber doch unbeschadet rückwärts festmachen konnten. Auch in Enkhuizen gab es keinen Kibbeling.holland 126

Dritter Segeltag

An diesem Tag sollte es nach Lemmer gehen, da Simone, Heide und ich bereits heute noch zurück nach Bielefeld mussten. Ohne Eile, schließlich war es gut 500 m bis zu den Sanitäranlagen, machten wir uns morgens gemächlich auf den Weg. Die Überfahrt konnten wir an diesem Tage einfach richtig genießen. Trockenes Wetter, leichter Wind, ja vielleicht hätte es etwas mehr Wind sein können und immer mehr Sonnenschein führten zu einer sehr entspannten Fahrt. Wer mochte konnte heute wieder unter Segeln seine Steuermannsfähigkeiten unter Beweis stellen.

holland 130

Auf dem Rückweg wollten wir durch Lemmer fahren und dort dann endlich Kibbeling zu essen. Es war schon ein schönes Gefühl durch die Kanäle zu fahren und einfach vor dem Imbiss festzumachen.

holland 141Am Sonntag mussten wir uns wieder trennen. Damit es uns Dreien, die wir fahren mussten, nicht so schwer fiel, fing es pünktlich zum Anlegen wieder an wie aus Eimern zu schütten. Dietmar, Willi und Dieter konnten noch bis zum nächsten Morgen bleiben und noch mal einen kurzen Schlag wagen.
An dieser Stelle sei nochmal Dietmar gedankt für seine geduldige Art in der er unermüdlich erklärt was man tun soll und wie man andere Dinge besser machen kann. Vielen Dank es hat viel Spaß gemacht mit dir als Skipper, wie es auch mit allen anderen viel Spaß gemacht hat. Bis zum nächsten Törn.


Patrick Weigang

© MRV Bielefeld 2020