Marine-Regatta-Verein Stützpunkt Bielefeld e.V.




Ostwestfalen auf Ostseetörn

Schon bei der Planung unseres diesjährigen Ostseetörns war klar, dass wir mit nur einer Yacht nicht zurechtkommen würden. Die Anfragen potenzieller Mitsegler häuften sich und schließlich wollten zwölf Vereinsmitglieder mit uns in See stechen. Zwei 40-Fuß-Yachten waren somit gut ausgelastet.

Da Werner Riehl in diesem Jahr nicht dabei sein konnte, war Dietmar der einzige routinierte Skipper. Einer zu wenig. Für die zweite Yacht musste also einer der „Neuen“ ran. Da Simone und ich im letzten Jahr den SKS-Schein gemacht haben, war nun also die Feuertaufe angesagt. Einer musste „ins kalte Wasser springen“ und den Job übernehmen. „Ladys first“ war hier nicht so recht angebracht, also stellte ich mich zur Verfügung.

Etwas eigenartig in der Magengegend war mir bei dem Gedanken schon, aber das Skippertraining im Frühjahr am IJsselmeer gab mir einige Sicherheit und da Simone mich unterstützen wollte und außerdem Werner Reilmann als „alter Hase“ mit bei uns an Bord ging, ließ ich mich auf das Abenteuer ein.

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Dietmar übernahm die „That's Life“, eine Delphia 40.3 und ich die „Josefine“ eine gutmütige Sun Odyssey 40.3, die zwar schon etwas älter war, aber immerhin gerade erst mit neuen Segeln ausgestattet worden war.

Der Starttermin rückte näher. Wir legten die Crews endgültig fest, überdachten die Einkaufsliste und wählten mit Georg unseren Verwalter der Bordkasse.

Dann konnte es los gehen. Wir konnten die Yachten bereits am Freitag ab ca. 16.00 benutzen und die That's Life sogar schon korrekt übernehmen, daher fuhren Dietmar, Werner und Stefan schon mittags nach Heiligenhafen. Des abends kamen Simone, Birgit, Yannik und ich nach und am nächsten Morgen waren wir dann mit Bernd, Cordelia, Andreas, Iris und Georg vollständig.

Nachdem wir auch die Josefine ordnungsgemäß übernommen hatten und die Einkäufe für die kommende Woche erledigt und verstaut waren, stachen wir noch am Samstag in See. Das Wetter war gut und nachdem wir die Fehmarnsundbrücke unterquert hatten

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(puh – hat doch gepasst ;) ) kam bei mir das Gefühl für ein ordentliches Schiff zurück.

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Wir hatten nur einen kurzen Schlag nach Fehmarn vor und wollten dafür lieber noch ein paar Manöver üben um die Boote kennen zu lernen.

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So musste Erwin, der uns auch schon im letzten Jahr auf unserem SKS-Törn gute Dienste geleistet hatte, vor Fehmarn mehrmals baden gehen und wurde natürlich auch immer wieder „gerettet“. Die Mann-über-Bord-Manöver klappten noch reibungslos. Wenden und Halsen klappte auch noch und die “Seebeine“ wuchsen wieder.

Ein vom Festland her näher kommendes, kräftiges Wolkenband ließ uns dann die „Spiele“ beenden und wir legten in Burgtiefe am bekannten Rundsteg an. Das Wetter zog sich langsam immer mehr zu und wir legten (mit holländischer Wurftechnik) noch eine zusätzliche Spring, da der Wetterbericht voraussagte, dass der Wind um 180 Grad drehen sollte.

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Ordentlich festgemacht und gesichert gab es dann natürlich das erste Einlaufbier Anlegerbier .

Zum Essen fielen wir dann mit voller Mannschaftsstärke im „Haus am Strand“ ein und genossen die Köstlichkeiten der Speisekarte. Besonders die tagesaktuelle Goldmakrele sei hier erwähnt.

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So gestärkt sahen wir uns dann nach dem Essen noch ein wenig am Südstrand um. Hier tanzte der Bär, denn es fand gerade der Kitesurf Woldcup statt und besonders unsere Damen waren von den vielen drahtigen, gut gebauten, jungen Kitesurfern begeistert, die aus der ganzen Welt nach Fehmarn angereist waren, nur um mit uns durch die Nacht zu feiern. Oder so. (Verstehe ich zwar nicht so ganz. Wir sind schließlich auch ganz gut gebaut. Und wer will schon einen Sixpack wenn man ein ganzes Fass bekommen kann.)

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Jedenfalls war allerhand los und die Musik hörte man sogar noch auf unseren Booten bis irgendwann Zapfenstreich war.

Das Wetter versprach für den nächsten Tag viel Wind und Regen, sodass wir keine rechte Lust hatten, unseren Plan umzusetzen und nach Warnemünde zu segeln. Also gab es schon den ersten Hafentag ohne dass wir überhaupt richtig unterwegs waren.

So wurde es ein ruhiger Sonntag mit Strandspaziergang und ein Teil von uns besichtigte den Ort Burg.

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Am Montag ging es dann wirklich los. Auch wenn das Wetter noch zu wünschen übrig ließ liefen wir zeitig aus. Zwei Boote auf gleichem Kurs sind natürlich sofort eine kleine Regatta. Da die Thats Life allerdings wesentlich mehr Segelfläche hatte, war es doch ein recht ungleiches Rennen. Man ließ uns freundlicherweise den Vortritt beim Auslaufen, holte uns dann aber schnell (nach einer Stunde) ein und zog an uns Richtung Horizont vorbei.

Als wir Fehmarn langsam hinter uns ließen, kam die Sonne heraus. Allerdings frischte der Wind recht heftig auf und auch die Wellen bauten sich bis auf ca. zwei Meter auf, sodass Dietmar relativ schnell bereits reffen musste, wir aber noch eine Weile mit voller Besegelung durchhielten und etwas Boden gut machen konnten. Als dann aber die ersten Besatzungsmitglieder blass im Gesicht wurden, refften wir auch. Schließlich kam die Reede vor Rostock in Sicht und hier wurde der Seegang wieder etwas ruhiger. Wir konnten nun auch sehen, dass die Thats Life die Reede umfahren hatte und vor der Einfahrt zur Marina Warnemünde stießen wir auf ihren Kurs und hatten sie fast wieder eingeholt. So liefen wir nur wenige Minuten nach unseren Kollegen ein.

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Die Marina von Warnemünde entschädigte uns für die unruhige Überfahrt und auch alle blassen Gesichter bekamen wieder Farbe. Man liegt hier im Yachthafen „Hohe Düne“ sehr exklusiv, der Hafenmeister befindet sich in der Yachthafenresidenz und das Kongresshotel bietet direkt am Hafen eine eindrucksvolle Kulisse.

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Gestärkt mit dem obligatorischen Anlegerbier und frisch geduscht machten wir uns dann auf zur Fähre, die uns nach Warnemünde übersetzte. Direkt vor dem Bug eines riesigen Kreuzfahtschiffes legte die Fähre auf der anderen Seite an. Beeindruckt von den gewaltigen Ausmaßen dieses Kreuzfahrers ging es von hier in wenigen Minuten zu Fuß in die City von Warnemünde.

Wir liefen die Promenade am „Alten Strom“ herunter in Richtung Leuchtfeuer und kamen gerade noch rechtzeitig um einen spektakulären Sonnenuntergang zu erleben.

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Das Timing war perfekt und nach dem Sonnenuntergang wartete schon das Gasthaus „Twee Linden“ auf uns. Wir ließen uns auch hier mit leckeren Fischplatten verwöhnen, testeten örtliche Brauereiprodukte und erzählten uns gegenseitig von den drei bis vier Meter hohen Wellen und 8 Windstärken, die wir heute gemeistert hatten.

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Der nächste Morgen begann wie der letzte Abend geendet hatte. Ein Sonnenaufgang wie aus dem Bilderbuch. Der Tag versprach tropische Temperaturen. Damit verbunden allerdings auch Windstille. Kaum ein Lüftchen regte sich und beim Frühstück in T-Shirt und kurzer Hose kündigte sich der nächste Hafentag an. Wir entschieden uns, noch einen Tag zu bleiben und ausgiebig den Ort und den Strand zu erkunden. Zwar kam im Laufe des Tages doch noch etwas Wind auf, aber für die geplante Überfahrt nach Grömitz hätte das nicht gereicht. So fuhr Dietmar mit Bernd und Stefan etwas zum Spielen raus und wir anderen verbrachten den Tag mit Eisessen, Strandbesuch und Sonnenbaden bei über 30 Grad (im September!).

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Des Abends dann wieder ein spektakulärer Sonnenuntergang und danach zur Abwechslung mal Fischbrötchen anstatt der großen Platte. An Bord gab es dann noch Wein und Bier und dazu wurden wilde Seemannslieder mit Gitarrenbegleitung gesungen. Später am Abend hatten wir noch Spaß am Einüben diverser Knoten und Cordelia und Iris stellten fest, dass manche Knoten nicht nur auf See nützlich sein könnten ...
(Andreas und Georg sagten am nächsten Morgen, die Nacht wäre gut gewesen.)

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Dann war plötzlich schon Mittwoch. Da Freitag Abgabetag war, mussten wir nun wieder Richtung Westen fahren. Auch wenn noch nicht viel Wind vorausgesagt war, legten wir ab und gaben alles.
Zunächst brachten wir es noch auf 3 bis max. 4 Knoten aber mit abnehmender Tendenz bis wir dann einsahen, dass Grömitz in nicht erreichbarer Ferne lag. Wenn wir also nicht noch stundenlang unter Motor fahren wollten, musste eine Alternativlösung her. Die Lösung hieß Kühlungsborn.

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Nach einer Tagesleistung von sagenhaften 10 Seemeilen machten wir dann dort fest und kamen uns vor wie in der Karibik. Am Büro des Hafenmeisters wurde eine Temperatur von 40 Grad angezeigt und die Hafenmeile im spanischen Stil hätte auch auf einer karibischen Insel stehen können. Aber natürlich wollten wir uns nicht beschweren. Kühlungsborn ist immer eine Reise wert und die „Alte Hafenkneipe“ war für den Abend genau die richtige Anlaufstelle.

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Am Donnerstag mussten wir nun irgendwie wieder in die Nähe von Heiligenhafen kommen. Da wir von Grömitz aus Heiligenhafen nur mit Stress bis 16.00 Uhr erreicht hätten, entschieden wir uns, noch einmal Burgtiefe anzulaufen. Es gab noch nicht viel Wind, also machte sich die Josefine mit ihrer geringen Segelfläche etwas früher auf den Weg als die Thats Life. Zunächst dümpelten wir so dahin. Bei Wind von achtern setzten wir einen Bullenstander, stellten die Fock mittels Spiebaum aus und kamen dann per Schmetterling doch gut in Bewegung. Den Kurs konnten wir bis kurz vor Fehmarn beibehalten und waren schließlich sogar als erster im Hafen von Burgtiefe.

Das Haus am Strand kannte uns nun schon und nach dem gewohnt guten Essen versammelten wir uns, am leider schon letzten Abend, in der Plicht der Thats Life und sangen bei Wein, Bier und Kerzenschein zu Dietmars Gitarre wieder die wilden Seemannslieder und alles was sonst noch so ging.

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Am nächsten Morgen wollte niemand so recht schon nach Heiligenhafen. Die Josefine ließ sich einfach nicht dort hin steuern. Wir hatten Wind. Wir hatten Sonne. Wir hatten es gut.

Aber es half alles nicht. Wir mussten zurück. Also ging es nun doch wieder unter der Brücke durch und nach dem Tanken mussten Josefine und die Thats Life wieder an ihren Platz in Heiligenhafen.

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Ein toller Törn war zu Ende. Und es ist ein gutes Gefühl, wenn man den ersten Törn als Skipper beendet hat und Crew und Schiff ohne Blessuren wieder zurück sind. Aber mit dieser Crew war das natürlich auch kein Kunststück. Deshalb: Danke, mit Euch allen gerne wieder!

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