Marine-Regatta-Verein Stützpunkt Bielefeld e.V.




 

   

Das Abenteuer SKS

Von Zweien, die auszogen, die Weltmeere zu erobern
oder:
Die Leiden des jungen Erwin.

Es war einmal am Steinhuder Meer. Windstärke 3, ein Zugvogel, blauer Himmel und Kurs auf Wilhelmstein. Da geschah es. Wir, Simone und ich, wollten mehr vom Meer. Der SKS-Schein sollte gemacht werden.

 

   

Der SBF-See war Schnickschnack. Simone hat ihn schnell aus dem Ärmel geschüttelt und ich habe ihn sowieso schon seit 2011. Nein, die eigentliche Herausforderung war der SKS, der Sport-Küstenschiffer-Schein.

Also ab zur Uni. Die Seglergemeinschaft der Universität Bielefeld konnte uns da weiterhelfen. Simone kannte das ja schon vom SBF See, für mich war es natürlich total aufregend: Ein riesiges Gebäude mit Zähnen!

Im Zahn D, Raum 249 wurde der Grundstein für fachgerechte Seemannschaft gelegt. Es kamen noch Weitere hinzu und -schwupps- war die Theorie geschafft.

Doch auf die Theorie folgt die Praxis. Praxis heißt bei der Seglergemeinschaft: Mit voller Mannschaftsstärke von 6 Personen auf die „Peter Panik“, eine Bavaria 340, und das für volle zwei Wochen. Eine echte Herausforderung. Gedanken an Filme wie „Das Boot“ oder „Meuterei auf der Bounty“ kamen uns in den Sinn. Für Studenten, die in einer 30 m² Wohnung mit einer 6er WG wohnen ist das sicher kein Problem, wir waren aber vom letzten Ostseetörn verwöhnt und suchten nach einer Alternativlösung.

Lange suchen mussten wir nicht. Dietmar und Werner ließen sich schnell überreden, den Job als Skipper und Ausbilder zu übernehmen, vom Prüfungsausschuss Lübeck bekamen wir problemlos einen Prüfungstermin und eine passende Luxusyacht war auch schnell gechartert. (M...-Yachting -später mehr)

Losgehen sollte es von Großenbrode. Am 8. Mai war der Prüfungstermin angesetzt und am 2. Mai übernahmen wir die Yacht.

Das Abenteuer begann. (M...-Yachting -später mehr)

Noch bevor es eigentlich los ging, hatten wir die erste Yacht schon wieder abgegeben. Die ursprünglich für uns vorgesehene „Abalus“ hatte eine defekte, bzw. aus der Verankerung gerissene Sprayhood, die auf die Schnelle nicht repariert werden konnte. Also umziehen. Der ganze Sack und Pack, den wir schon auf das Boot gebracht hatten, musste wieder runter und auf die nächste Yacht. Immerhin bekamen wir nun eine Größere, anstatt 38 jetzt 40 Fuß, also ca. 12 m lang. An sich ein sehr schönes Boot, nur der Name kam uns gleich etwas „speziell“ vor.  
    „Absinth“ stand am Bug und wir hofften, dass der Name nicht Programm würde.

Nach ausgiebiger Prüfung stellten wir nur ein verschlissenes Vorsegel, eine defekte Tankanzeige und einen nicht funktionierenden Kartenplotter fest. (M..-Yachting -später mehr). Das Segel wurde ausgetauscht, eine Tankanzeige ist unnötiger Luxus und so einen technischen Kram wie einen Kartenplotter hatten wir ja gar nicht mehr nötig, da wir ja die Theorie zum SKS-Schein schon bestanden hatten und bereits wie die Weltmeister navigieren konnten.

  

Am nächsten Tag (Sonntag, 3. Mai) ging es also los. Auf nach Wismar.

 Wind und Wetter waren gut und alles lief wie am Schnürchen. Unsere „Seebeine“ konnten wachsen. Kurz vor Wismar allerdings, als wir die Segel einholen wollten, stellten wir fest, dass das Großsegel nicht richtig zurück in den Mast zu rollen war. Es schlug Falten, verklemmte sich und war nur mit Mühe zum Einrollen zu bewegen. Irgendetwas stimmte nicht.   
    Im Stadthafen von Wismar versuchten wir mit vereinten Kräften, das Segel wieder heraus zu bekommen, was sich erst nach dem Einsatz von Spezialwerkzeug (Kochlöffel aus der Kombüse) mühsam bewerkstelligen ließ.

Werner und Dietmar fanden schließlich die Ursache für das Infaltenlegen heraus. In der Mechanik war eine Feder abgebrochen und dann nur provisorisch und fehlerhaft repariert worden. (M..-Yachting -später mehr)

 Nach getaner Arbeit gönnten wir uns in der Stadt noch eine Bratwurst mit Pommes, dann ging es ab in die Koje.   
    Der Montag brachte uns nach Kühlungsborn, wo wir 2 Tage blieben. Kühlungsborn ist immer eine Reise wert. Hier konnten wir den großzügig angelegten Hafen für verschiedene Anlege- und Fahrmanöver unter Motor nutzen und draußen, bei ordentlich Wind und Wellengang, begannen wir mit den Segelübungen, sowie Mann-über-Bord-Manövern unter Segel und Motor.
 Der richtige „Mann“ dafür war Erwin. Er machte eine gute Figur und wollte immer wieder ins Wasser. Zwar sträubte er sich zuerst, wieder an Bord zu kommen (was möglicherweise auch mit seiner Größe, einem kurzen Bootshaken und dem Wellengang zu tun hatte), wurde aber mit der Zeit kooperativer.   
    Unterbrochen wurden unsere Übungen von einer riesigen, schwarzen Wolkenwand, die am Horizont aufzog und uns veranlasste, schnell in den Hafen zurück zu fahren. Als wir gerade alles gut fest gemacht hatten, brach das Unwetter über uns herein. Innerhalb weniger Minuten ergossen sich Wassermassen über uns, die der Wind mit orkanartigen Böen fast waagerecht über Kühlungsborn hinweg trieb.
Es ist nichts passiert, lediglich Dietmar wurde bis auf die Knochen nass, als er bei dem Wetter kurz nach den Leinen sah. Nach ca. 10 Minuten war der Spuk wieder vorbei. Wir hörten später, dass sich dieses Unwetter ein paar Orte weiter in einen Tornado verwandelt hat und in einem Dorf heftige Verwüstungen anrichtete.  

Am Mittwoch verließen wir dann Kühlungsborn und nahmen Kurs auf Fehmarn. Wir reservierten uns in Burg einen Liegeplatz und fuhren dann noch einmal hinaus um Prüfungsmanöver zu üben. Schließlich rückte der Freitag näher und damit auch der Prüfungstermin.

Dietmar hatte Erwin eine Schwimmleine verpasst, womit er nun besser mit dem Bootshaken aufgenommen werden konnte und nun gelang uns fast jedes Aufsammelmanöver. Einerseits brachte das etwas mehr Sicherheit, andererseits wuchs das komische Gefühl im Magen aber doch langsam heran.

Donnerstag wurde es dann ernster. Unter der Fehmarnsundbrücke hindurch fuhren wir nach Heiligenhafen. Wir waren zur rechten Zeit eingelaufen, denn als wir festgemacht hatten, kam ein Boot nach dem anderen herein und die Liegeplätze wurden knapp. Offenbar waren wir nicht die einzigen, die am Freitag Prüfung machen wollten.

27 Prüflinge waren es, wie wir dann am Freitag erfuhren. Um 9.00 Uhr war Besprechung der Skipper und dann wurde es wirklich ernst. Leider waren wir erst als Letzte dran, was die Spannung nicht gerade abmilderte. Immerhin konnten wir so vorher noch etwas üben.

Gegen 13.30 Uhr übernahmen wir dann auf hoher See die beiden Prüfer. Das Boot, das vor uns geprüft worden war ging nach leichten Anlaufschwierigkeiten bei uns längsseits und die Prüfer kamen herüber. Sie machten zwar einen netten Eindruck, wollten die Scheine aber nicht einfach so herausrücken. Da die Prüfung auf dem Boot vor uns offenbar nicht besonders gut gelaufen war, bekamen wir zuerst einmal die Ansage, dass das hier etwas anspruchsvoller sei, als die SBF See Prüfung und dass man von uns einiges verlangen würde, was auf Anhieb klappen müsse etc....

Also Augen zu und durch. Die Boje-über-Bord-Manöver klappten bei uns beiden gleich beim ersten mal und vermutlich hatten wir damit schon gewonnen. Auch wenn vor lauter Aufregung manches nicht so klappte, wie es eigentlich immer problemlos geklappt hatte, lagen dann irgendwann die unterschriebenen Scheine vor uns. GESCHAFFT !!!

Wir gaben die beiden Herren noch in Heiligenhafen ab und fuhren dann bei herrlichem Wetter zurück nach Großenbrode, wo wir von Petra und Birgit bereits erwartet wurden.
Natürlich feierten wir mit einem guten Essen und leerten anschließend die Rotweinbestände auf dem Schiff.

Zum Schluss noch einmal M...-Yachting pur: Da wir am Freitag nach 18.00 Uhr eingelaufen waren, hatte die Tankstelle bereits geschlossen (bzw. war weg, da die Tankstelle ein großes Fass auf einem Gabelstapler ist). Am nächsten Morgen war natürlich ein riesiger Andrang dort und wir wollten daher schon einmal die Bootsübergabe machen. Dazu war aber eine Mappe nötig, die wohl im Büro sein sollte. Im Büro hieß es aber sie sei an der Tankstelle. An der Tankstelle wollte man die Mappe aber nicht herausrücken, weil das nun mal nicht so geht. Ging aber schließlich doch. Dann wurde unsere Yacht innerhalb von 5 Minuten abgenommen und wir konnten tanken, was aber zunächst nicht ging, weil der Tankwart die Mappe nicht hatte. Ging aber dann doch, denn wir hatten ja die Mappe. Puh!!
Schließlich diskutierten wir im Charter-Büro noch ein wenig über unsere Erlebnisse mit der Technik, unterschiedliche Auffassungen vom Kleingedruckten, falsche Festmacherleinen und und und ...

… und wenn sie nicht gestorben sind, verchartern sie noch heute.

 

im Mai 2015 Thomas Zühlke

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