Marine-Regatta-Verein Stützpunkt Bielefeld e.V.




Ostsee 2014 – der Törnbericht

Freitag, 12. September 2014: für die ersten vier Segler - Birgit, Thomas, Andreas und Dietmar - ging's los Richtung Heiligenhafen.

 

     

Zuerst, wie könnte es anders sein am Freitag auf der A2, mit einem Stau. Dieser warf unsere Planung komplett über den Haufen, so dass wir es schon mit der Angst kriegten: Bootsübernahme um 22:00. Wenn die Boote jetzt abgeschlossen sind, wo schlafen wir dann? Doch nach einem Anruf im Hafen die Entwarnung: die Boote blieben auf, so dass wir auch um 22:30 noch unsere Sachen verstauen konnten.


Natürlich gibt's um diese Zeit nirgendwo mehr was zu essen, so begnügten wir uns mit Bier und Rotwein in der letzten offenen Bar, danach wurden an Bord der mitgebrachte Kartoffelsalat und die ersten Bockwürstchen probiert.
 
Als Samstag am späten Vormittag die anderen eintrafen, war schon richtig viel erledigt: Verpflegung und Getränke eingekauft und verstaut, beide Boote übernommen, Segel kontrolliert u. s. w. Beide Skipper bekamen noch eine Einweisung in die Feinheiten des Bootes, dann konnte es 
losgehen.


Aber: der Wind! Es blies ziemlich frisch mit 6 Bft. aus Nordost, so dass Werner Riehl und Helmut lieber nicht raus wollten. Da alle anderen aber gern segeln wollten, versammelten sie sich auf der Bavaria und liefen aus. Wir liefen westlich Fehmarn im Schutz der 
Insel die Küste rauf und runter und ließen uns Seebeine wachsen. Es ging, vor allem für diejenigen die zum ersten Mal auf der See waren, überraschend gut, keiner wurde seekrank, es herrschte tolle Stimmung an Bord. So wurden die ersten 28 Meilen ersegelt.

Genau wie das erste Ablegemanöver ist auch der erste Anleger immer eine spannende Angelegenheit, besonders wenn das Boot kein Bugstrahlruder hat, es dafür aber Seitenwind gibt. Dietmar rang dann auch ziemlich lange mit sich, entschied sich dann aber doch für die sichere Variante: vorwärts in die Box.
    Werner und Helmut hatten derweil schon im Restaurant Nordpol Quartier gemacht. Dort gab's reichlich Fisch und das eine oder andere Bier, so ließen wir's uns gutgehen. Anschließend wurde, wie jeden Abend, an Bord des einen oder anderen Schiffes weiter gefeiert und gelacht, wir hatten jeden Abend viel Spaß und kamen kaum mal vor Mitternacht in die Koje.

 Sonntag dann das gleiche Spiel: der Wind hatte nicht nachgelassen. Sechs Segler/innen an Bord der Blue Lady, zwei blieben lieber im Hafen. Wir hielten uns wieder westlich Fehmarn auf und trauten uns bis in den Belt. Dort empfing uns aber so eine heftige Welle dass wir uns schnell wieder Richtung Süden davon machten.

Am Montag waren wir nur noch zu fünft, auch Andreas wollte einen Hafentag einlegen. Zusammen mit Werner Riehl und Helmut erkundigten sie Heiligenhafen. Machten auf der großzügig anlegten Seebrücke Station und belegten die Spielgeräte, die eigentlich für die Kids bestimmt sind. Ein Spaziergang führte sie durch ein Neubaugebiet in dem fremd anmutende Ferienhäuser gebaut werden. Sie haben den Tag sehr genießen können, der gekrönt war von dem Genuß von Kaffee und Kuchen an Bord der EVITA.

Auf unserem Törn erwartete uns herrlicher Sonnenschein, fünf Bft. mit Böen. Zu fünft wollten wir es mal probieren: rund Fehmarn. Per Motor unter der Brücke durch (skeptische Blicke von unten inklusive: „passen wir da wirklich drunter her?") bis zur Südostecke von Fehmarn. Dort zogen wir die Segel hoch und umsegelten die Insel.

 

Hier an der Ostseite bekamen wir dann richtig Welle mit, bis 2 Meter. Hier, bekannten später alle, kamen wir alle an unsere Grenze. Auch Dietmar, zum ersten Mal Skipper, war kurz davor umzukehren, wäre es noch mehr geworden. Aber es ging alles gut, dank den alten Hasen Werner und Dietmar sowie Thomas' Steuerkünsten. 
Der hatte so viel Spaß, dass er das Steuer gar nicht mehr abgeben wollte.

 

Glücklich und mit ordentlichen Seebeinen ausgestattet liefen wir wieder in Heiligenhafen ein.

Inzwischen war auch der Anleger rückwärts kein Problem mehr, die Übung macht's eben.

Dienstag ging's dann aber richtig los: beide Boote wurden mit je vier Seglern ausgestattet. Nochmal unter Motor durch den Sund, dann wurden die Segel gesetzt und Kurs Südost abgesetzt, Richtung Kühlungsborn. Jetzt zeigte sich was wir schon vermutet hatten: die Bavaria von Dietmar erwies sich als deutlich schneller als die Beneteau. So blieb es der Blue Lady vorbehalten, Quartier zu machen „Wir hängen schon mal ein Badetuch über Euren Achterpfahl" 
Kühlungsborn ist ein richtig schöner Hafen: toll angelegt, sauber und großzügig. Wir schlenderten am Abend durch den Ort und machten es uns dann im Hafenrestaurant gemütlich. Es gab ausnahmsweise mal Fisch (wie übrigens jeden Abend). Anschließend rückten wir unerbittlich den eigenen Wein- und Biervorräten zu Leibe, man will ja schließlich nichts wieder mitnehmen, oder?
Mittwoch ging es dann mit achterlichem Wind nach Neustadt. Auch an diesem Tag gab's wieder strahlenden Sonnenschein und vier bis fünf Bft. aus Nordwest. Bei dieser Windrichtung erfordert das Ruder die ganze Aufmerksamkeit des Steuermanns / der Steuerfrau.
Kaum ausgelaufen, passierte uns die Wismarer Hansekogge. Wir konnten sie ausgiebig fotografieren und später sogar noch überholen. 
Obwohl die Blue Lady noch ein wenig länger im Hafen blieb, (die wollten noch Motormanöver üben), kam sie doch wieder als erste in Neustadt an und legte wieder das Badetuch über den Pfahl für die Evita. Wir konnten zwei Liegeplätze im kleinen Yachthafen belegen, so dass wir nicht in die Marina mussten. Der Hafen ist einfach schöner, gemütlicher und näher an der Stadt. 

Wir fanden ein nettes, gemütliches Restaurant in dem wir in einem Raum für uns alleine Platz fanden. Erwähnenswert war der Ober mit dem mit phänomenalen Gedächtnis und die Diskussion über große/kleine Gläser Fruchtsaft und der Demonstration dieser Tatsache.

Leider bekamen wir von Neustadt nicht viel zu sehen, es war wieder mal dunkel geworden und die Bürgersteige schienen hochgeklappt zu sein.

Aber der Tag war klasse: Mitte September im T-Shirt auf der Ostsee segeln, wann geht das schon mal?

Entgegen der Vorhersage, dass der Wind über O auf SO drehen sollte, empfing er uns am Donnerstag wieder aus NO, mit 5 Bft. So wurde der Weg entlang der Neustädter Bucht zum Kreuzkurs.

Machte aber trotzdem Spaß, so hatte man ab und zu mal eine Wende zu fahren. Besonders nach Werner Reilmanns Kommentar: „Da hinten sind schon die Hochhäuser von Fehmarn". Mensch, klasse, da können wir ja sogar ein bisschen abfallen und werden noch schneller... bis zum „Ach, stimmt ja gar nicht, sind „die von Großenbrode" Also wieder hoch an den Wind und noch ein paar Wenden gedreht.
Überhaupt, Geschwindigkeit war Trumpf an diesem Tag.
Auch am Wind ging's kaum unter 6 Knoten, und ganz oft stand die 7 da. Beim Eindrehen ins Fahrwasser Fehmarnsund sahen wir sogar 8,3 Knoten auf der Logge. Durch das Kreuzen und mit Hilfe des stetigen Windes schafften wir am Donnerstag 51 Seemeilen.
Vor dem Einlaufen in Heiligenhafen wurde noch die neue Tankstelle angelaufen und Diesel gebunkert, die Evita schaffte es gerade noch 10 Minuten vor Feierabend des Tankwartes. Dann machten wir zum letzten Mal im Hafen fest.

Komisch, das letzte Anlegebier schmeckte irgendwie nach Abschied.


Der Freitag war dann bestimmt von Packen, Leergut wegbringen und Bootsübergabe. Einige wären gern noch ein paar Stunden draußen geblieben, aber die Chauffeure wollten dringend nach Hause, was will man also machen?


Gegen 17:00 kamen wir alle wieder heile und ohne großen Stau in Bielefeld an.
Fazit von allen: wann geht's wieder los? Helmut, charterst Du schon mal Boote??? 
Mast- und Schotbruch,

Birgit, Simone, Andreas, Dietmar, Helmut, Thomas und die beiden Werner

 

 

 

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