Marine-Regatta-Verein Stützpunkt Bielefeld e.V.




An unserem diesjährigen Segelabenteuer nahmen 7 Vereinsmitglieder und eine Gastseglerin (Bettina) teil. Mit zwei nahezu baugleichen Oceanis 37 waren wir eine tolle Woche auf der Ostsee unterwegs. Der Bericht wurde von Anke aus Sicht der „Rock'n Roll“ und von Bettina aus Sicht der „Hornet“ geschrieben.

Los geht’s:

17.05. Anke:

Die Planungen für den Törn Ende Mai liefen schon länger, als ich im März dazu stieß. Noch zu neunt planten wir die Reisedetails, bevor Bernd aus familiären Gründen leider kurzfristig absagen musste. Da waren’s nur noch acht: Thomas als Skipper (und Hahn im Korb respektive Boot) mit Birgit, Simone und Bettina und Skipper Dietmar mit Dieter, Stephan und mir (als Quotenfrau). Als es um die Zuordnung der Boote ging, schlug ich für unsere Crew die Rock’n Roll vor. Dietmar war einverstanden - als Tänzer würden wir die Rock’n Roll schon schaukeln ... So blieb die „Hornisse“ (Hornet) für die Crew von Thomas.

Am 17. Mai ging’s los. Dietmar, Dieter und Stephan machten sich schon am Vormittag auf den Weg nach Heiligenhafen - mit einem Abstecher nach Travemünde, um der Passat die Ehre zu geben. So konnten sie am Abend schon die Boote übernehmen und ihre Sachen einräumen.

Apropos Boote: Beide Yachten vom Typ Oceanis 37 waren gut ausgestattet, sauber und gepflegt. Lediglich die Kajüten hätten etwas mehr Regalfläche zum Verstauen bieten können.

Am Nachmittag folgten dann Thomas, Birgit, Simone und ich. Zühlkes Auto war rappelvoll. Wir kamen gut durch und erreichten gg. 22 Uhr den Hafen. Es war windig, neblig und frisch. Die Kabinen wurden verteilt (Stephan hatte sich bereits das „Schminkzimmer“ mit 2 Spiegeln im Bug gesichert – ob’s geholfen hat, wollen wir an dieser Stelle nicht kommentieren … :D) und dann gab es das 1. Anlegerbier.

Die 1. Nacht war kurz - an die Koje mit niedriger Deckenhöhe und den ungewohnten Geräuschen drum herum musste ich mich erstmal gewöhnen. Am nächsten Tag frühstückten wir in einer Bäckerei im Ort – bisher war unser Kühlschrank ja noch leer. Die Skipper kümmerten sich um die Übernahme der Boote, während Birgit, Stephan und ich auf Einkaufstour gingen. Schon im Vorfeld hatte ich als Newbie mich gewundert, dass es bei Gesprächen rund um die Essensplanung hauptsächlich um die zu bunkernden Mengen Bier zu gehen schien (die Tradition des Anlegerbiers wurde mir erst später erläutert). Ich war dann erleichtert zu sehen, dass die Einkaufliste auch einige kg feste Nahrung enthielt …

Heiligenhafen - Bagenkop DK

18.05. Bettina:

Es begann mit der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Ich stand in Heiligenhafen mit meinem Gepäck am Kai, ließ meine Augen über die vielen Menschen und Masten der Boote schweifen und war etwas irritiert, wie ich denn jetzt bitte „mein Boot“ finden sollte. Am Steg 1B, fiel mir ein, sollte es liegen, so hatte mir mein Skipper Thomas gesagt. Nach Rücksprache mit einem, wegen meines suchenden Blickes, milden lächelnden Seglers, fand ich diesen recht schnell. Doch damit ging die Suche weiter und betont ruhig schritt ich nun den Steg entlang, links und rechts Umschau haltend. Obwohl ich keine Ahnung hatte wie es denn aussah, welchen Namen es hatte oder welche Nummer die Box hatte, wo es vor Anker liegen sollte, schaute ich mir die vertäuten Boote interessiert an, wurde oft mit einem kurzen Nicken gegrüßt und legte so 2/3 des Steges zurück, als mich mein Skipper Thomas entdeckte, mir warm-herzig entgegen kam und mich sogleich zu „meinen Boot“ brachte. Sofort notierte ich mir gedanklich den Namen des Schiffes (Hornet) und die Nummer der Box (13), obgleich diese gar nicht mehr wichtig war, da wir bald ablegen und eh erst in einer Woche hier wieder anlegen sollten.

Die nächste Hürde bestand nun darin, mit Gepäck auf das Boot zu gelangen, denn es lag zwar mit dem Heck zum Steg, aber es bedurfte schon fast eines Sprunges, um an Bord zu kommen. Da Thomas voraus ging, und mir zeigte wie es geht, war es einfacher, als ich dachte und so lief ich gleich den anderen zwei Crewmitgliedern, Birgit und Simone, in die Arme und wurde herzlichst begrüßt. Es herrschte eine erregte Aufbruchstimmung, sodass ich gleich unter Deck zu meiner Kajüte auf dem Achterdeck gebracht wurde (Achtung die Treppe sollte rückwärtsgehend gemeistert werden), ganz schnell meine Sachen auspacken und verstauen musste und sofort ging es los mit der Sicherheitseinweisung für alle. Natürlich ist die Rettungsweste ein Muss, mit der dazugehörigen Gaspatrone, damit die Weste überhaupt richtig funktioniert und auch die Lifeline wurde jedem von uns in die Hand gedrückt, um sich bei starkem Seegang an Deck in ein extra dafür gespanntes Gurtband oder andere Schiffsteile einzupicken. Dann schauten wir alle nach der Rettungsinsel und nach der Pyrotechnik (Signalfeuer), welche oben an Deck in eine der Backskisten verstaut war und verteilten noch im Voraus div. Aufgaben, sollten wir in Seenot geraten. Bei dem wolkenlosen Wetter waren die Gedanken an Seenot recht schnell im Hintergrund verschwunden und alle freuten sich darauf endlich ablegen zu können.

Kurz wurde ich noch der anderen Bootsbesatzung vorgestellt. Das waren der Skipper Dietmar, Dieter, Anke und Stephan, die etwas weiter weg von uns am Steg ihr Boot, die „Rock ‘n Roll“ vertäut hatten. Jetzt aber schnell noch die letzten Lebensmittel ausgetauscht, welche bei uns an Bord sachgemäß verstaut werden mussten, und dann wurde der Kurs festgelegt, den wir für unseren nächsten Anlaufpunkt, Bagenkop in DK, fahren wollten. Ich schaute Simone und Birgit bei der Arbeit zu, da ich noch nicht überblickte, wo alles eingeräumt werden musste. Das gab mir den nötigen Spielraum mich mit der Benutzung der Toilette zu befassen, denn das Wasser zum Spülen musste erst hineingepumpt und dann in den Bootstank hinaus gepumpt werden, erklärte mir Thomas.

Endlich hieß es alle Mann an Deck, wir sind startklar!

Jacke, Rettungsweste und extra Segelhandschuhe (damit die Leinen nicht die Hände verletzen) hatte jeder angezogen, unser Platz an Deck beim Ablegen wurde schnell geregelt, dann startete Thomas den Motor unserer Yacht (nicht einfach nur Boot). Birgit und Simone machten die Leinen vom Steg los, wobei uns oft andere Segler, von nebenan liegenden Booten, zur Hand gingen. Jetzt hieß es Leinen fieren (langsam loslassen), Fender einholen, Leinen bergen und ganz vorsichtig aus der Box, knapp an den Dalben (in den Hafengrund eingerammte Pfähle) vorbei, langsam aus dem Hafen zu tuckern. Der Fender ist dabei ein nicht wegzudenkender Begleiter an Bord. Er schützt den Bootsrumpf vor Schrammen und Beschädigungen und sie wurden, genau wie die Leinen, immer ordentlich von Birgit und Simone verstaut, um für die nächste Benutzung zur Hand zu haben.

Jetzt sollte ich doch bitte noch den “Adenauer“ aus dem Salon holen, trug mir Thomas, mein Skipper auf, was mich völlig verwirrt in die Runde blicken ließ. Wie sollte denn Adenauer auf unser Boot gekommen sein?

Natürlich war damit nicht der erste Bundeskanzler gemeint, wurde mir grinsend geantwortet, sondern die deutsche Flagge, welche am Heck der Yacht angebracht wurde. Ach so, da wäre ich ja nie darauf gekommen, und als das erledigt war hieß es endlich:

„Auf gehts, die südliche Ostsee kann erobert werden“.

Die Sonne schien herrlich, die Windstärke betrug ca. 4 Bft. (Beaufort). Was für meine Crew, leicht bewegte See mit kleinen, länger werdenden Wellen bedeutete, war für mich genau der richtige Einstieg. Das Fock- und das Großsegel wurden, sobald der Hafen hinter uns lag, gehisst, der Motor ausgeschaltet und jetzt, ja jetzt, kam für mich das richtige Segelfeeling auf, denn auch ich hatte ein klein wenig dazu beigetragen.

Anke:

Nach einer Sicherheitseinweisung liefen wir gg. Mittag aus. Statt wie ursprünglich geplant nur ein paar Meilen zu segeln, um uns an das Boot zu gewöhnen, legten wir an diesem Tag gleich über 30 Seemeilen zurück und machten einen ordentlichen Schlag nach Bagenkop auf Langeland. Inzwischen hatten sich die Wolken verzogen und es wurde ein herrlicher „Ritt“ bei sonnigem Wetter und mit 4-5 Beaufort recht ordentlichem Wind.

Bettina:

5 1/2 Stunden segelten wir quer über die Ostsee, mal waren wir fast allein, mal sahen wir große Schiffe, die sehr schnell näher kamen und sehr schnell an uns vorbeizogen. Wir nutzten die Zeit für einen kleinen Imbiss, draußen auf dem Achterdeck auf der Plicht, für nette Gespräche, fürs Fotografieren, für Mails checken, fürs Schweigen und genießen und jeder durfte mal ans Ruder um sein Können zu beweisen. (Zick-Zack Kurs bei Anfängern mit inbegriffen, denn gerade fahren kann ja jeder). Dann kam der Hafen von Bagenkop in Sicht, wieder begann emsiges Treiben auf unserer „Hornet“, Handschuhe wurden angezogen, „meine“ Mannschaft holte die Segel ein, die Winsch knarrte, die Fender mussten mit den richtigen Knoten an die richtigen Stellen angebracht werden (aber bitte noch auf Deck lassen, alles andere schickt sich nicht), die Klampen am Achterdeck und am Bug wurden mit Seilen belegt und die Position der einzelnen Crewmitglieder wurde kurz angesprochen. Dann tuckerten wir erwartungsvoll die Fahrrinne entlang, welche uns mit grünen und roten Tonnen klar den vorgeschriebenen Weg in das Hafenbecken zeigte. Hier lagen schon sehr viele Yachten (die unterschiedlichen Typen lernte ich später noch kennen) und wir hielten eifrig Ausschau nach einem Liegeplatz. Wir hatten Glück, dass wir sogar unsere beiden Boote nebeneinander festmachen konnten, da Dietmar, Dieter, Anke und Stephan schon vor uns angekommen waren (wie hatten sie das denn geschafft?) und uns einen Platz freigehalten hatten, sodass wir beim Anlegen gleich Hilfe bekamen und alles bestens klappte. Diesmal legten wir mit dem Bug am Steg an und somit war eindeutig turnen angesagt, denn wir mussten nun über den Anker von Bord gehen.

Beim Hafenmeister meldeten wir uns an, in dem Fall war es nur ein Automat, der gerne unser Geld in Empfang nahm, und so schloss Thomas schnell noch unsere „Hornet“ an den Stromkasten an, bevor dann die Belohnung für die gelungene Fahrt und das gute Anlegemanöver an die Reihe kam. Das sogenannte „Anlegerbier“ wurde aus der Backskiste hervor-geholt und nun setzten sich beide Crews, also Dietmar, Dieter, Anke und Stephan, Thomas, Birgit, Simone und ich diesmal auf das Achterdeck der „Rock `n Roll“ zusammen, und sofort wurde gefachsimpelt. Wer, wann, wieso, weshalb und warum die Segel so und so gesetzt hatte, wie denn der Wind noch besser hätte ausgenutzt werden können, wie viel Seemeilen wir denn geschafft haben (32 Meilen waren es immerhin) und so weiter und so fort. Ich lernte dabei Fachausdrücke kennen, die ich als Landratte noch nie gehört hatte.

Ich merkte, dass ich hier tatsächlich absolut Neuland betreten hatte, doch es freute mich sehr, diesen Schritt gegangen zu sein und in diese Gemeinschaft in den nächsten Tagen immer weiter eintauchen zu können. Apropos Schritte, auf unserer „Hornet“, sie ist immerhin fast 12 Meter lang, sind diese trotz allem nicht sehr zahlreich. Ich war dankbar, im Hafen wenigstens einen kleinen Spaziergang machen zu können, um u. a. auch die sanitären Anlagen zu inspizieren. (Na ja, da sind eindeutig noch Verbesserungen möglich!)

Anke:

Das Anlegen gestaltete sich in der Enge des Hafens nicht ganz so einfach, aber schließlich lagen die beiden Boote Reling an Reling direkt vor dem Häuschen mit den Sanitäranlagen. Diese waren übrigens die schlechtesten auf dem ganzen Törn, aber zum Ausgleich haben wir dort auch die höchsten Hafengebühren bezahlt ;).

Thomas verwöhnte uns am Abend mit Spaghetti Carbonara und wir genossen einen herrlichen Sonnenuntergang vom Aussichtsturm, bevor wir gemütlich in der Kajüte zusammen saßen und u.a. den Segelabenteuern von Thomas und Simone lauschten.

Bettina:

Nun wurde noch zusammen gekocht, zusammen geges-sen, zusammen gespült, zusammen der Sonnenuntergang bewundert, zusammen gesessen, zusammen geplaudert, um dann, teilweise getrennt, in die Kojen zu verschwinden. Vom leichten Schaukeln und von mir bisher unbekanntem Geräusch des Wassers, welches glucksend an die Bordwand schlug, wurde ich sanft in den Schlaf gewiegt. Der Tag ist schön gewesen und das Beste daran war, dass Morgen das Abenteuer weitergehen würde.

19.05. So. Bagenkop DK - Maasholm

Dieser Tag begann trüb, grau, dunstig und kühl. Aber das betraf nur die Beschreibung des Wetters, denn wir vier ließen uns davon nicht beeindrucken, sondern frühstückten in Ruhe und mit guter Laune bei einem üppig gedeckten Tisch. Dann spülten und räumten Simone und ich auf und nun saßen unsere beiden Crews zusammen und besprachen den Kurs für die heutige Tour. Auf den Seekarten wurde die Strecke genau angeschaut, denn es gab Schifffahrtsrouten und andere Gefahrenzonen zu beachten sowie Sperrgebiete der Marine (tatsächlich hörten wir auch einmal Geschützdonner von Schießübungen) zu umfahren. Ich lernte sehr schnell, dass zur Festlegung der Route unabdingbar die neuesten Daten des Wetterberichtes und zusätzlich die Abfrage, der Windrichtung und Windstärke, gehörte. Kam der Wind aus der falschen Richtung, musste um-ständlich gekreuzt werden und das hätte uns erheblich viel Zeit gekostet. So ergab es sich, dass wir uns für den Hafen von Maasholm entschieden und nun begann dieselbe, emsige Betriebsamkeit, wie schon gestern, vor dem Ablegen. Diesmal fuhren wir mit der „Hornet“ rückwärts aus der Box, was erhöhte Aufmerksamkeit von uns Allen erforderte.

Ich war eingeteilt ganz schnell einen mobilen Fender an die richtige Stelle unserer Yacht zu hängen, sollte es denn nötig sein. Es war nicht nötig und so liefen wir aus dem Hafen problemlos aus, nahmen aber das trübe Wetter mit, welches uns bis in den frühen Nachmittag begleiten sollte. Dazu entschloss sich nun auch der Wind eine Ruhepause einzulegen, denn mehr als 2 Bft. waren heute nicht drin. Mmh, was kann ein Segler ohne viel Wind machen? Rudern? Selber in die Segel blasen? Motor an....Stop! Thomas, unser Skipper hatte natürlich noch eine andere Idee in der Hinterhand. Wozu hatten wir denn den Gennaker an Bord. Das ist ein Vorsegel, welches extra für wenig Wind konzipiert war und uns tatsächlich, nachdem es mühevoll gehisst war, ein wenig in Schwung brachte.

Aber nur ein wenig, und nach einer Weile griffen wir doch schweren Herzens zu der Maßnahme den Motor zu starten, die Segel zu reffen und als Motorboot weiterzufahren, denn wir wollten nicht erst spät abends in Maasholm ankommen.

Anke:

Wir hatten meist raumen Wind und ließen uns mit weit geöffneten Segeln gen Westen schieben. Die Hornet nahm einen etwas anderen Kurs und ver-schwand kurz nach Auslaufen erstmal im Nebel und damit aus unserem Sichtfeld.

Da das Fahren vor dem Wind schwierig zu steuern war, entschieden wir uns für das Experiment „Blister“ – für uns alle neu. Das Anschlagen vor der Fock funktionierte gut. Erst ließen wir das Groß noch stehen und sicherten es mit dem Bullenstander, später holten wir es ein und bekamen nun schönen Wind in den Blister. Bei der Hornet funktionierte das gleiche Manöver leider nicht ganz so gut – sie nahmen den Blister nach kurzer Zeit wieder runter und fuhren unter Motor weiter. Thomas und seine Crew waren augenscheinlich not amused darüber… Mittlerweile hatte sich der Nebel aufgelöst und wir genossen die warme Sonne.

Freudige Aufregung herrschte, als wir Schweinswale entdeckten, die uns kurze Zeit begleiteten. Alle Versuche, nur einen Hauch von Finne aufs Foto zu bannen, waren allerdings zum Scheitern verurteilt. Die Tiere sind einfach zu klein und wendig dafür. Also genossen wir sie in natura. Die Einfahrt in die Schleimündung fand ich wunderschön – herrliche Landschaft, gemütliche Reet-gedeckte Häuser und jede Menge Boote schufen eine idyllische Kulisse.

Und dann kam auch schon der Mastenwald von Maasholm in Sicht. Ich steuerte bis in den Hafen, übergab das Ruder aber dann vorsichtshalber an Dietmar – das Anlegen in der Box traute ich mir dann doch noch nicht zu. Mit Recht, wie sich herausstellen sollte: Von den wenigen freien Boxen, die es überhaupt gab, hieß es erstmal eine auszumachen, die für den dicken Hintern unseres Bootes (3,90 m) ausgelegt war. Nach 2 vergeblichen Versuchen, bei denen wir jedes Mal (fast) zwischen den Achterpfosten stecken blieben, waren wir dann endlich am 1. Steg erfolgreich. Da nützt es wenig, wenn an den Stegen die Länge der Boxen ausgewiesen wird, aber nicht die Breite… - kleiner Tipp an die Hafenverwaltung von Maasholm, sollte sie jemals diesen Bericht lesen.

Bettina:

Bei jetzt bestem Wetter schalteten wir zeitweise sogar den Autopiloten ein, (man muss alles ausprobieren) und passierten den Leuchtturm an der Schleimündung bei schönster Sicht. Nach sieben Stunden Fahrt legten wir die „Hornet“ im Hafen komfortabel mit dem Heck an, dabei merkte man, dass sich eine gewisse Routine in der ganzen Handhabung der Yacht eingestellt hatte. Auch bei mir, denn mittlerweile wusste ich, wann ich wem nicht im Wege stehen durfte und wie ich die Fender mit dem richtigen Knoten an die Reling befestigen musste.

 Das Abendessen ließen wir uns alle diesmal in einem Restaurant in der Nähe servieren, machten noch einen gemeinsamen Spaziergang in der Umgebung des Hafens und tauschten anschließend unser Fachwissen in geselliger Runde auf der „Rock `n Roll“ von Dietmar, Dieter, Anke und Stephan aus. Somit fanden diese 24 Stunden wieder einen harmonischen Ausklang.

20.05. Mo. Maasholm - Olpenitz

„Nanu, hier gibt es auch Nebel, ich dachte den hätten wir gestern in Bagenkop gelassen“, war mein erster Gedanke, als ich nach dem Aufstehen an Land gehen wollte. Die schwierige Handhabung zur Öffnung der Salontür, die am besten auf der Treppe sitzend und über Kopf schiebend gemacht werden musste, hatte mir schon Simone abgenommen, was ich dankbar zu Kenntnis nahm. So schlenderte ich den Steg entlang, ließ links und rechts meinen Blick auf die vielen Yachten schweifen und las die Namen, welche z.B. Miles & More, Seestern, Kormoran, Sindbad oder Kenternix hießen. Mittlerweile sah ich einige der feinen Unterschiede bei den einzelnen Yachten, welche in der Länge, der Breite (Angaben oft in Fuß), mit Rollreff- oder Bindereff Segel, gebaut aus Holz oder Kunststoff, bestanden.

Außerdem hätte ich es als Service der einzelnen Häfen empfunden, wenn die Boxen für die Boote mit Breiten- und Längenangaben in Meter gekennzeichnet gewesen wären (in einem Hafen gab es diesen Luxus), denn in den meisten mussten wir einfach ausprobieren, ob wir hineinpassten oder nicht. Obendrein fiel mir bei meinen Landgängen öfter auf, dass ich das Gefühl hatte, der Steg auf dem ich lief sei ein Schwimmsteg, obwohl das nicht stimmte, oder der Tisch im Restaurant schwanke, was natürlich auch nicht stimmte. Dies war kein Phänomen welches nur mich betraf, denn alle Crewmitglieder hatten das mal mehr, mal weniger und ich ertappte mich dabei, dass ich mir manchmal an Land wünschte, schnell wieder auf dem schwankenden Schiff sein zu können, da es sich einfach stimmiger anfühlte.

Anke:

Der nächste Tag begrüßte uns mal wieder mit reichlich Nebel. Birgit, Simone und ich brachten Leergut weg (so konnten wir unsere Backskisten schon mal um ein paar Säcke leerer Bierdosen erleichtern) und kauften leckeren Räucherfisch ein.

Das Auslaufen gestaltete sich wesentlich einfacher als das gestrige Anlegen. Mittlerweile waren wir auch schon ein gut eingespieltes Team, was das Aus- oder Einbringen der Fender und das Bereitlegen bzw. Aufschießen der Leinen anging. Eigentlich sollte Laboe unser Tagesziel sein, aber als wir aus der Schleimündung auf die Ostsee fuhren, war die Nebelsuppe so dick, dass uns ein Weitersegeln zu riskant erschien. Wir kehrten daher um und fuhren unter Motor nach Kappeln. Auf der Schlei hatte sich der Nebel bald verzogen und wir genossen die Ruhe ausströmende Landschaft.

Bettina:

Nach dem üblichen, morgendlichen Rhythmus, tuckerten wir aus dem Hafen von Maasholm Richtung Ostsee, da unser nächstes Ziel Laboe werden sollte. Allerdings schafften wir es nur bis zum Leuchtturm an der Schleimündung, da der Nebel uns so hartnäckig verfolgte und einhüllte, dass wir keine Lust verspürten, dieses auf der Ostsee zu erleben. Also hielten Thomas und Dietmar Kriegsrat, per Funk von Schiff zu Schiff, um uns kurzfristig für die entgegengesetzte Fahrtrichtung zu entscheiden, nämlich Kappeln. So wendeten wir und fuhren mit Motorkraft zurück. Kaum hatten wir unseren Hafen Maasholm passiert, kam die Sonne heraus und wir strahlten mit ihr um die Wette. Eine erneute Kursänderung kam aber eindeutig nicht mehr in Frage, denn als schlag-kräftiges Argument wurde von Dietmar angeführt, dass es in Kappeln eine sehr gute Fischräucherei gäbe, und dort sollten wir unbedingt die Mittagspause verbringen. Gesagt, getan. Jetzt konnte auch ich einmal einige Zeit ganz ohne Bedenken vorne auf dem Bug des Schiffes sitzen, denn die Segel waren gerefft und wehten mir somit nicht um die Ohren. So spielte ich gedanklich die Szene aus dem Kinofilm „Titanic“ nach, zumindest ansatzweise, und ließ die Landschaft an mir vorbei ziehen.

Das Anlegemanöver in Kappeln forderte uns diesmal heraus, denn die Strömung der Schlei wollte uns immer wieder vom Weg abbringen, aber mithilfe des Bugstrahlers und netten Menschen an Land gelang es dann doch.

Anke:

Der Wind von der einen und die Strömung von der anderen Seite macht das Anlegen in Kappeln zur Herausforderung. Da es genügend Publikum am Ufer gab, gaben wir uns alle Mühe uns nicht zu blamieren, was uns mit Hilfe der „holländischen Anlegetechnik“ auch bestens gelang. Thomas hätte seine nachträgliche Idee, einen Hut rumgehen zu lassen, ruhig in die Tat umsetzen können. Zumal das erfolgreiche Anlegemanöver Thomas‘ Kappeln-Trauma aus einem vorigen Törn endlich beseitigt hatte.

Nach einem kleinen Rundgang durch die nette Stadt stärkten wir uns mit einem Fischbrötchen in der Fischräucherei Föh:

Beim Ablegen konnten wir einer anderen Yacht dabei zusehen, wie man nicht anlegen sollte: lässig näherte sich die Yacht in noch ziemlich ambitioniertem Tempo der Kaimauer, der Skipper bremste erst im letzten Moment ab, was die lautstarke Kollision von Boot und Mauer allerdings nicht mehr verhindern konnte. Das wird ein Nachspiel in der Werft gehabt haben …

Anschließend ging’s erneut Richtung Ostsee und diesmal war die Sicht klar und das Wetter bestens. Da es jetzt zu spät war, um noch bis nach Laboe zu kommen, schwenkten wir um auf Olpenitz und nutzten den verbliebenen Nachmittag für ein paar Übungsmanöver auf der großen Spielwiese Ostsee. Mit Wenden und Halsen kamen wir ja noch gut klar, aber als es an das Boje-über-Bord-Manöver ging, kamen zumindest Stephan und ich doch etwas ins Schwitzen und fühlten uns eher unliebsam an unsere Segelprüfung erinnert. Dietmar empfahl uns uns vorzustellen, ER würde statt der Boje im Meer liegen – was allerdings auch nicht wirklich weiter half, sondern nur zur Folge hatte, dass „Dietmar“ trotzdem 1-2 Versuche länger als nötig im kalten Wasser ausharren musste ;).

Bettina:

Zurück am Kai war uns allen klar, dass unser Ziel, Laboe zu erreichen, unrealistisch geworden war und so beschlossen wir in der Nähe zu bleiben, nämlich nach Olpenitz zu fahren und dafür auf der Ostsee noch einige Manöver zu trainieren.

Das ermöglichte mir, endlich Dietmar, Dieter, Anke und Stephan mit Ihrer Yacht „Rock `n Roll“ in greifbarer Nähe zu fotografieren, was bei der ruhigen See, dem Sonnenschein und dann noch den herrlichen, alten (nachgebauten) Segelschiffen im Hintergrund, gute Fotomotive ergaben. Bei den Manövern, z. B. einer Wende, Halse oder Boje über Bord, waren alle Hände und Augen gefordert, denn bei „Boje über Bord“ musste immer einer die Boje im Blickfeld behalten, in dem Fall ich, damit diese auf der weiten See nicht verloren ging. Bei uns war der die Boje ein Ball mit einem Handgriff daran, liebevoll „Erwin“ getauft, der immer ein Lächeln im Gesicht hatte, auch wenn er nicht gleich beim ersten Versuch an Bord gehievt wurde. Und das bei ca. 12° Wassertemperatur! So konnten wir die Zeit gut nutzen und da der Wind wieder eine Ruhepause einlegte, nur noch Windstärke 1 Bft., liefen wir mit Motorkraft in den Hafen von Olpenitz ein.

Anke:

Das Einlaufen in den vollkommen neu gestalteten Hafen von Olpenitz (ehemaliger Militär-hafen) war interessant. Jede Menge neu gestalteter Ferienhaus- und -wohnungskomplexe in unterschiedlichen Architekturstilen umrahmen die Bucht, manche Häuser auf Pfählen ruhend, den Bootssteg direkt am Haus. Der bislang noch kleine Yachthafen (rund 10-12 Plätze) war neu angelegt, genauso wie die Sanitäranlagen – alles vom Feinsten. Aber: Jeder Toiletten-, Dusch- oder auch nur Zähneputz-Gang kostete Geld mit einer Wertkarte als Türöffner. Mit der Konsequenz, dass wir – um Geld zu sparen – immer nur gruppen-weise die Sanitäranlagen aufsuchten. Für die Männer ein Grund, auch mal zu mehreren auf Toilette zu gehen, wurde gescherzt … J.

Beeindruckend waren die Scharen an Vögeln (Gänsen?), die trotz des fortgeschrittenen Jahres noch gen Norden zogen. Und wir konnten wieder einen phänomenalen Sonnenuntergang beobachten und mit allen verfügbaren Kameras fotografieren.

Bettina:

Auch am heutigen Abend wurde gemeinsam gekocht (mit zwei Booten hatten wir immerhin vier Herdstellen), dann gemeinsam gegessen und geplaudert, doch bevor es in die Kojen ging, wurden wir mit einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt, mit Zugvögeln, die passend in dem herrlichen Farbenspiel ihre Bahn zogen. Na, das kann ja kaum noch getoppt werden, dachte ich, bevor mir meine Augen zufielen.

21.05. Di. Olpenitz - Fehmarn Burgtiefe

Anke:

Am nächsten Morgen hatten wir zum 1. Mal keinen Nebel und auch (noch) keinen Regen – dafür war es grau und kühl. Wir hatten einen langen Schlag (49 Seemeilen) nach Burg auf Fehmarn vor uns und packten uns wettergerecht in Ölzeug ein. Es blieb den ganzen Tag ziemlich frisch und fing später zu nieseln an. Mir wurde während der ganzen Fahrt nicht richtig warm. Die Betonnung des militärischen Schießgebiets von Putlos / Todendorf markierte quasi unsere Strecke. Allerdings hielten sich scheinbar nicht alle Schiffe an die Markierung, jedenfalls forderte die Fregatte Magdeburg über Funk immer wieder dazu auf, das Schießgebiet schnellstmöglich zu verlassen. Leider ließ der Wind immer mehr nach, so dass wir nach einem vergeblichen Versuch mit dem Blister alle Segel streichen und die letzten 3 Stunden unter Motor weiterfahren mussten.

Bettina:

Für heute hatten wir uns eindeutig eine große Strecke vorgenommen, denn wir wollten nach Fehmarn-Burgtiefe fahren. In Seemeilen ausgedrückt hieß das, es galt ca. 48 SM zu bewältigen. Im Vergleich dazu: Gestern sind es nur 16 SM gewesen. So starteten wir recht früh. Gegen 9.00 Uhr waren Thomas, Birgit, Simone und ich mit allem fix und fertig und unsere „Hornet“ startklar. Na, das Wetter hatte jetzt wohl einen eigenen Rhythmus gefunden, denn es war trüb, grau, dunstig und kühl (kennen wir doch von den letzten zwei Tagen). Doch halt, der Nebel fehlte. Letztlich war das für uns egal, wir wollten Strecke machen und tuckerten los, um sofort nach Verlassen des Hafens die Segel zu setzen, denn es war immerhin Windstärke 2-3 Bft., also leichte bis schwache Brise. Und so wurde das ein ruhiger, langer, aber keinesfalls langweiliger Segeltag, denn wir hatten eine Begegnung der besonderen Art, die Thomas gleich ins Logbuch eintrug. Nein, wir rammten kein Schiff, wir übersahen auch keine Tonnen, Bojen oder sonstiges, keine Sandbank war uns im Weg, nein, wir hatten etwa eine halbe Stunde lang Schweinswale als Begleitung. Das war ein tolles Schauspiel. Simone hatte sie zuerst entdeckt und so schauten wir alle intensiv auf das Wasser und jeder rief dem anderen zu, wo gerade der oder die Schweinswale (wir wussten nicht genau, wie viele es wirklich waren) auftauchten. Schweinswale sind Verwandte der Delfine, kleine Tümmler werden sie genannt, und sie tauchten auf und ab, wie man sich das bei Delfinen so vorstellt. So nah an unserem Schiff, da waren alle aus dem Häuschen, doch zu einem Foto reichte es dennoch nicht. Wir genossen einfach die Begegnung, denn die Crew der „Rock `n Roll“, hatte Vorgestern schon das Vergnügen gehabt. Jetzt waren wir an der Reihe und hatten am Abend etwas zu erzählen. So war dieser ruhige Segeltag sehr angenehm unterbrochen worden und nach diesem Abenteuer bereiteten wir uns einen Imbiss zu, welcher aus heißer Brühe, Möhren, Bananen oder Joghurt bestand. Als Nachtisch gab es Kaffee und Kuchen, denn Seeluft macht hungrig und wer kann bei Kuchen schon Nein sagen, oder? Mit unserem Herd war es kein Problem, selbst bei aufgewühlter See (was wir heute nicht hatten), heißes Wasser zu kochen, denn erstens konnte man den Kessel festklemmen und zweitens sind diese Schiffsherde mit einer sogenannten kardanischen Aufhängung versehen. Das bedeutet, dass die Herdplatten immer horizontal bleiben und die Töpfe nicht wegrutschen oder gar umkippen. Das ist doch eine tolle Erfindung und mir machte es Spaß, das auszuprobieren und Wasser zu kochen. Im Hafen jedoch arretierten wir diese Aufhängung, bei den wenigen Wellen war es einfach nicht nötig.

Und nun kam Fehmarn in Sicht, obwohl Sicht nicht der richtige Ausdruck war, denn wer hatte sich wieder zu uns gesellt? Genau, der Nebel, oder zumindest konnte man es trübe Aussicht nennen. Und wer hatte sich wieder verabschiedet? Richtig, der Wind! Also alle Mann an die Ruder und..., alles Quatsch, natürlich den Motor anschalten und so tuckerten wir mit unserem 3 Zylinder Dieselmotor mit 29 PS immer Richtung Fehmarnsundbrücke, die sich langsam aber sicher aus dem Dunst erhob. Sie ist ca. 1,3 km lang und hat eine Durchfahrtshöhe von 23 m. Bitte nur 23 m, passen wir da überhaupt durch? Welche Höhe hat denn unser Mast, fragte ich mich, als wir immer näher und näher rückten. Doch da Thomas die Ruhe selbst blieb, lugte ich zwar bei der Durchfahrt vorsichtshalber auf die Höhenanzeige der Brücke, die nur 22 m zeigte, schaute dann ganz schnell nach oben und hatte irgendwie das Gefühl, die Mastspitze schrappte unter der Brücke durch, doch das war natürlich nur Einbildung, da unser Mast nur eine Höhe von 17 m erreichte. Von der Brücke aus dauerte das Einlaufen in den Hafen Burgtiefe noch gut eine Stunde, bei nach wie vor trüber Sicht, was entgegenkommende Segler wie aus dem Nichts auftauchen ließ, obwohl wir deren Motorengeräusche längst hörten, aber nicht sofort einordnen konnten. In Burgtiefe legten wir einmal mehr gekonnt mit dem Heck an den Steg an und hatten glatt 10 Stunden Schifffahrt hinter uns. Mit dem Auto hätten wir zwei Stunden gebraucht, aber da wären uns die Schweinswale nie im Leben begegnet und die entschleunigte Art zu reisen, hätten wir nicht schätzen gelernt. Am heutigen Abend blieb es windstill, tatsächlich 0 Bft., bei bedecktem, trübem Himmel, doch das motivierte uns eher dazu, wieder einen geselligen und langen Abend an Bord der „Hornet“ zu verbringen. Durch Bestellung von Pizzen befreiten wir uns diesmal vom Kochen, was keiner zu bedauern schien.

Anke:

Abends liefen wir in den frisch renovierten Yachthafen von Burgtiefe ein und genossen erstmal eine warme Dusche. Da es danach schon fast zu spät war, um noch ein Restaurant zu „stürmen“, bestellten wir 3 Partypizzen. Die waren lecker, aber so üppig bemessen, dass noch einiges für den nächsten Tag blieb

3 Std. und etliche Gläser Wein später fiel Dietmar ein, dass wir die Rock `n Roll lieber drehen sollten, um bei dem zunehmend stürmischen Wetter nachts nicht ganz so viel Unruhe ins Achterschiff zu bringen und den Regen aus dem Cockpit zu halten. Also drehen wir das Schiff im Stockdunkeln, wobei uns fast der Kugelfender abhandenkam, der im schwarzen Wasser kaum auszumachen war

22.05. Mi. Fehmarn. Hafentag, Stadt Burg

Auf eine stürmische, unruhige Nacht folgte ein stürmischer, kühler und regnerischer Tag – Zeit für einen Hafentag. Zeit, um in Ruhe zu frühstücken, durch Burg zu schlendern und auf dem Markt Salat fürs Abendessen einzukaufen.

Bettina:

Mit was für Geräuschen wurde ich denn heute geweckt? Das Wasser gluckerte heftig gegen die Bordwand und der Wind pfiff in den Wanten der Schiffe. Da hatte der Wetterbericht recht gehabt, heute sollte Windstärke 5-6 Bft., also frische Brise bis starker Wind kommen, das war nicht zu überhören. Doch eine Überraschung war das für uns nicht. Wir hatten nämlich extra Fehmarn angesteuert, damit wir diesen Mittwoch als Hafentag mit Landgang gestalten konnten, da wir bei diesem Wind, mit einigen Regenschauern, nicht segeln wollten. Nach einem gemütlichen Morgenbeginn besprachen wir den Ablauf der kommenden Stunden. Einige von der Crewbesatzung der „Rock` n Roll“ kannten sich auf Fehmarn aus, sodass schnell geklärt war, wir würden mit dem Bus in die Stadt Burg fahren. Die Haltestelle war nicht sehr weit vom Hafen entfernt und nach kurzer Fahrt begann unsere Sightseeing- und Shoppingtour in der Stadt Burg. Das kleine Städtchen war nett anzusehen, viele Touristen waren unterwegs, der eine oder andere fand eine Möglichkeit sein Geld zu investieren, bis wir alle überzeugt waren genug gesehen zu haben und uns lieber um das leibliche Wohl kümmern wollten. Im Yachthafen Burgstaaken, etwa 20 Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt, hatten wir Glück und fanden Platz für uns acht im „Fehmarnsches Fischlädchen“.

Der Name war Programm, wir bestellten Fisch in allen möglichen Varianten (Ich habe noch nie so viel leckeren Fisch in einem Urlaub gegessen wie in diesem). Der Yachthafen Burgstaaken lag gegenüber unseres Yachthafens Burgtiefe und da wir nun alle gestärkt waren, ging es per pedes auf den Rückweg. Der Wind pfiff uns ganz mächtig um die Ohren, wir mussten uns stellenweise dagegenstemmen, dabei wurden die Segeljacken auf ihre Landtauglichkeit geprüft. Die Wellen der Bucht waren überall mit Schaumkronen versehen und doch hatte dieser Wind viele Freunde, nämlich die Kitesurfer. Sie flitzten hin und her über das Wasser und wenn einer baden ging, konnte er in dieser Bucht stehen und ganz schnell wieder auf sein Brett kommen. Das sah schon geschickt aus, sodass uns zum Spaziergang gleich ein Rahmenprogramm geboten wurde.

Nach einer Ruhepause an Bord lockte es mich am späten Nachmittag wieder hinaus, denn das Wetter wurde richtig schön, mit Sonnenschein pur am wolkenlosen Himmel. Ich brauchte wieder Bewegung und da uns ein paar Lebensmittel fehlten, konnte ich das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Es schloss sich mir gleich Simone aus unserer Crew an und bevor wir losgingen, fragten wir selbstverständlich bei der „Rock` n Roll“ nach, ob noch jemand etwas benötigte, was wir dann mitbringen würden. Ein Einkaufsladen war recht schnell gefunden, der kleine Wunschzettel war zügig abgearbeitet, sodass Simone und ich auf dem Rückweg bewusst an den Sandstrand gingen, uns einen netten Platz im Sand suchten, um die Seele baumeln zu lassen. Sonne, Sand und Meer, was braucht man mee(h)r?

Anke:

Als wir nach einem ausgiebigen Spaziergang wieder zurück an Bord waren, war der Himmel zwar etwas heller geworden, aber der Wind wehte noch immer sehr kräftig. Wir wärmten uns erstmal bei Kaffee und Kuchen auf. Zum Abendessen gab es die aufgewärmten Pizzareste und Berge von „Kaninchenfutter“ (bei den Salatmengen hatten wir uns etwas verschätzt …), das augenscheinlich nicht zu Thomas‘ Lieblingsspeisen gehörte.

Danach zog es uns Hobbyfotografen Bettina, Stephan und mich ans Wasser, um mal wieder einen schönen Sonnenuntergang aufs Foto zu bannen.

23.05. Do. Fehmarn -Törn

Am Donnerstagmorgen war der Himmel wie rein gewaschen: Um 5.20 Uhr konnte ich – mangels Schlaf – schöne Sonnenaufgangsfotos aus meiner Kajütenluke machen. (Kleine Anekdote nebenbei: Zu verdanken hatte ich mein frühes Aufwachen meinen 3 Crew-Mitgliedern, die sich scheinbar gg. 5 Uhr zum Toilettengang „verabredet“ hatten und dabei auf dem Deck ein solches Getrappel veranstalteten, dass man gar nicht anders konnte, als den Kopf aus dem Bett zu strecken…).

Bettina:

An diesem Tag, so hatten wir uns vorgenommen, wollten wir etwas Besonderes verwirklichen. Nicht weniger als eine Weltumsegelung war unser hochgestecktes Ziel. Ja, na gut, die Welt bestand in dem Fall nur aus der Insel Fehmarn, aber ...Jedenfalls konnten wir für dieses Vorhaben nicht so lange schlafen. Bevor der übliche Rhythmus mit essen, spülen, auf- und einräumen, Schiff klar machen, uns klar machen, Kurs besprechen, erledigt war, vergingen schon mal zwei Stunden und wir wollten um 9.30 Uhr den Hafen verlassen, was wir im Übrigen schafften. Die Seekarte zeigte uns an, dass wir bis zur Tonne Burg 1 fahren und erst dann bitte links abbiegen sollten (nach Osten), da wir immer genug Wasser unter dem Kiel haben wollten, und nah an Land war die Wassertiefe stellenweise grenzwertig. Bei herrlichstem Wetter liefen wir aus, doch auch heute ging ohne Jacke gar nichts, da der Wind, immerhin Windstärke 2-3 Bft., uns schnell durchkühlte, wenn nicht gerade Segel gehisst werden mussten.

Unsere Route führte uns entlang der Südküste bis zum Leuchtturm Staberhuk, der an der südöstlichsten Spitze Fehmarns stand. Ein weiterer Blick auf unsere Seekarte verdeutlichte uns, dass ein Hindernis, wahrscheinlich Steine, extra mit einer Kardinaltonne Staberhuk gekennzeichnet war, welche wir großzügig zu umsegeln hatten. So hielten Simone, Thomas und ich Ausschau nach dieser Kardinaltonne, die ich schnell mal in eine Admiraltonne umbenannte, denn was machte eigentlich ein Kardinal mitten auf dem Wasser? Ist doch unlogisch! Damit trug ich unmittelbar zur guten Stimmung auf unserem Boot bei, doch was uns langsam Kopfzerbrechen bereitete, war, dass...na, wer verabschiedete sich mal wieder? Genau, der Wind. Mehr als Windstärke 1-2 Bft. waren nicht mehr drin. Puh, ziehen wir unseren Plan jetzt trotzdem durch und kommen evtl. erst um 22 Uhr in den Hafen zurück? Diese Frage beschäftigte nicht nur uns, denn kaum sprachen wir es aus, funkte uns Dietmar von der „Rock` n Roll“ an und nach einem kurzen Hin und Her, bliesen wir die „Weltumsegelung“ ab, wobei die anderen noch versuchen wollten, die Ostküste bis Puttgarden zu meistern. Na dann viel Erfolg.

Jetzt waren wir ganz allein auf hoher See, segelten Richtung Kühlungsborn und sahen dabei selten andere Segler oder andere Schiffe. So, ja genau so stellte ich mir manche Tage von Christoph Columbus vor, weit und breit nur Wasser, Wellen und Meer. Wir genossen die Ruhe, wollten am besten an Ort und Stelle bleiben, nicht segeln, aber auch nicht den Motor einschalten und keinen Anker werfen. Dies erreichten wir mit dem Manöver Beidrehen oder Beiliegen und das verschaffte uns eine leicht dahin dümpelnde Mittagspause mit Sonne, nicht nur im Herzen, und vielen leckeren Kleinigkeiten. Stille, Ausspannen, das Meer und den Himmel genießen, leichtes schaukeln, auf Deck vorne am Bug ein kleines Nickerchen machen oder träumen, das hatte was.

Doch nach einer gewissen Zeit regte sich wieder der Tatendrang, Birgit und Simone zogen und fierten Leinen, wir übten diverse Manöver, wobei ich mich manchmal gerne etwas mehr betätigt hätte, aber eh ich wusste, welche Leine wann zu fieren oder zu ziehen war, war das Manöver geschafft. Natürlich durfte unser „Erwin“ wieder baden gehen, was er mit seiner stoischen Ruhe und seinem Lächeln quittierte. Das regte mich zum Fotografieren an, was wiederum meine Crew schätzen lernte. Zum Schluss kamen Thomas und Simone noch auf die Idee Schmetterling zu fahren. Mmh, ich hatte doch immer nur Fliegen bemerkt, die sich in der Nähe des Landes auf unser Schiff verirrten oder Möwen am Himmel gesehen, aber was hatte das mit Schmetterlingen zu tun? Die Lösung des Rätsels war denkbar einfach. Es war eine besondere Segelstellung, wobei das Focksegel und das Großsegel auf unterschiedlichen Seiten des Schiffes geführt wurden, und von achtern sah es dann aus, als ob ein Schmetterling seine Flügel ausgebreitet hatte. Schon wieder war ich den Fachausdrücken auf den Leim gegangen und doch amüsierten mich meine Gedanken dabei: „An Bord musste ich mit allen Wassern gewaschen sein, sonst hätten sie mich bestimmt in die Wüste geschickt!“ Ein Lächeln huschte über mein Gesicht, da ich genau wusste, dass mir das mit Thomas, Birgit und Simone nie passieren würde.

Nach diesen ganzen Übungen zog es uns am späten Nachmittag zurück in den Hafen von Fehmarn, wieder als Motorboot getarnt, da der Wind keine Lust hatte, uns den nötigen Schub zu geben. Diesmal waren wir früher im Hafen eingetroffen als unsere andere Bootscrew. Hatten sie etwa die „Weltumsegelung“ geschafft?

Anke:

Gg. 9 Uhr liefen wir aus mit dem Ziel, die rund 40 Seemeilen rund Fehmarn zu segeln. Bei Windstärke 3 kamen wir erst ganz gut Richtung Osten voran, aber hinter der 1. „Ecke“ ließ der Wind leider schon nach und wir arbeiteten uns nur mühsam nach Norden hoch.

Die Fährstrecke Puttgarden – Rödby hatten wir dabei immer in Sichtweite und sahen die Fähren wie auf der Perlenschnur aufgereiht, trotzdem schienen wir Puttgarden gar nicht näher zu kommen. Zwischendurch funkte uns Thomas an um uns mitzuteilen, dass sie aufgeben und lieber ein paar Manöver üben würden.

Wir starteten einen Versuch mit dem Blister, um auch die letzte Brise aufzufangen, aber auch das brachte nicht den gewünschten Erfolg. Schließlich – es war mittlerweile schon 13.30 Uhr und 2/3 des Weges lagen noch vor uns – beschlossen wir, die Umrundung abzubrechen und den Rückweg anzutreten. Kaum gedreht, frischte der Wind wieder etwas auf und es ging erstmal gut voran. Da der Wind dann allerdings von Süden kam, mussten wir lange Zeit mühsam kreuzen. Unglaublich wie viel Zeit wir dadurch brauchten, um gefühlt nur eine kurze Strecke vorwärts zu kommen! Das Manöver „Wende“ beherrschten wir danach auf jeden Fall ;). Endlich bogen wir um die Südost-Ecke der Insel und hatten wieder die Fehmarnsundbrücke vor Augen. Als wir nach 10 Std. wieder in den Hafen einliefen, waren wir hungrig, etwas k.o. und hatten ordentlich Sonne getankt. Beim allabendlichen Klönen bei Wein, Bier, Haribo und Chips wurden Dietmars Augen immer kleiner und auch Birgit nickte kurz am Tisch weg. Da soll mal einer sagen, Segeln sei kein anstrengender Sport!

Bettina:

Gespannt warteten wir ab, halfen ihnen dann später beim Anlegemanöver, um beim Anlegerbier die „wahre“ Weltumsegelungsgeschichte zu hören. Am Anfang klang alles recht glaubhaft, doch dann stellte sich heraus, dass auch sie es nicht geschafft hatten. So so, endlich war mal ein bisschen Seemannsgarn gesponnen worden! Sie waren noch um die Spitze Fehmarns nach Norden gesegelt, hatten weit entfernt die Fähren nach Puttgarden gesehen, aber mehr nicht, denn der Wind hatte bei ihnen genauso eine Ruhepause eingelegt. Na, damit war unsere Seglerehre gerettet und wir beendeten den Abend, natürlich wie immer, in geselliger Runde.

 

24.05. Fr. Fehmarn - Heiligenhafen

Die Sonne begrüßte uns gleich beim Aufstehen und das Schönste daran war, dass wir das erste Mal auf dieser Tour draußen in der Plicht Frühstücken konnten. Da die Routine bei uns längst unbemerkt Einzug gehalten hatte, saß jeder Handgriff, der Tisch (Back) war schnell gedeckt und wir ließen es uns gut gehen. Ein bisschen Wehmut schlich sich jedoch in unsere Gedanken ein, als von der anderen Crew Anke herüberkam und uns anbot, ein Abschiedsfoto unserer geselligen Frühstücksrunde zu machen. War das wirklich schon unsere letzten Stunden auf See? Wo war nur die Zeit geblieben? Ja, tatsächlich! Wir hingen einen Moment unseren eigenen Gedanken nach, doch die wehmütige Stimmung war kurz darauf verflogen, weil eine „schwarze Möwe“, natürlich ein Rabe, sich von Anke, ein Brötchen aus der Brötchentüte stibitzte und seelenruhig mit dem Schatz bei uns vorbeiflog. Wir lachten über den gewitzten Räuber, doch es dauerte nicht lange und die „schwarze Möwe“ wollte es auch bei uns versuchen. Sie hatte aber keine Chance, da unsere Teller brav leer gegessen waren, „denn das schöne Wetter“ sollte doch den ganzen Tag lang halten, oder?

 

Anke:

Der Freitag brach an und damit leider der letzte Tag. Es war so herrlich sonnig und milde, dass wir zum 1. Mal in der Plicht frühstücken konnten

Kurzzeitig überlegten wir, ob wir nicht den Motor als defekt melden sollten, um den Törn noch verlängern zu können ;). Dieter und ich schmierten uns Brötchen fürs Mittagessen und ließen die Brötchentüte an Deck liegen. Das war ein Fehler: Als ich kurze Zeit später wieder an Deck kam, saß eine dicke Krähe auf der Reling. Ich verscheuchte sie und merkte erst später, dass sie die Brötchentüte zerrissen und sich über unsere Brötchen hergemacht hatte! Segler auf dem Boot gegenüber hatten den Raubzug scheinbar beobachtet und grinsten sich eins.

Nach einem Tankstopp liefen wir aus, setzen die Segel und dann ging die Fahrt bei Windstärke 4-5 richtig gut ab. Wir pflügten durch die Wellen Richtung Großenbrode und lieferten uns ein Wettrennen mit der Hornet, wobei jedes Boot versuchte, dem anderen den Wind zu nehmen. Oder sich nah genug anzunähern, um gute Fotos zu machen.

 

Bettina:

Nach dem Ablegen steuerten wir heute nicht gleich die Hafenausfahrt an, sondern Thomas fuhr uns erst einmal an die Tankstelle, um den Dieseltank zu füllen. Wir waren in den letzten Tagen, öfter als uns lieb war, als Motorboot unterwegs gewesen. Das Tanken war recht schnell erledigt und so liefen wir zwanzig Minuten später aus dem Hafen aus, am Café Sorgenfrei vorbei (Sorgenfrei hätte doch ein guter Schiffsname sein können), noch ein wenig an der Küste Fehmarns entlang und ich verweilte mit meinem Blick auf den drei markanten Hochhäusern, einer Ferien- und Klinikanlage, direkt an dem herrlichen Sandstrand, wo sich schon viele Urlauber tummelten. Zum Abschluss hatte sogar der nordische Windgott Odin noch ein Einsehen mit uns. Er öffnete seinen Windsack und beglückte uns mit einer Windstärke 4-5 Bft., also ähnlich wie am ersten Tag meiner Reise.

Yeah, Thomas, Birgit, Simone und ich freuten uns noch einmal richtig Segeln zu können und für diese Zeitspanne trugen wir in unser Logbuch „Spaßsegeln“ ein. Und genau das war die richtige Beschreibung. Da wir vor 15.00 Uhr nicht in Heiligenhafen ankommen mussten, setzten Simone und Birgit schnell alle Segel und so sausten wir in Richtung Kühlungsborn davon. Retour, in Richtung Fehmarnsundbrücke, ging es sogar noch etwas schneller und ich kam mir vor, wie bei einer Regatta. Das Schiff krängte (es neigte sich zur Seite), unser Skipper musste dabei das Ruder kräftig halten und Birgit, Simone und ich, waren dann das Gegengewicht zu der geneigten Seite. Aber dazu musste man erst einmal zu dieser Seite kommen. Und Thomas und Simone testeten endlich einmal die Auswirkung der Versetzung des Holepunktes auf das Großsegel und dies brachte uns tatsächlich noch ein klein wenig mehr an Geschwindigkeit. Unser Ehrgeiz war geweckt und durch ein vorzeitiges Wendemanöver waren wir endlich einmal der „Rock` n Roll“ voraus.

Das blaue Wasser brauste mit ein paar Schaumkronen an der Längsseite unserer Yacht dahin und so konnte ich schöne Fotos von unserem Schwesterboot machen, mit weißen Segeln, vor einem blauen Himmel mit Cirrus Wolken. Dieses Wettrennen wiederholten wir noch ein paar Mal, denn Birgit und Simone wollte auch gerne mal das Ruder in die Hand nehmen, und ich genoss währenddessen die Geschwindigkeit. Doch die Zeit rann uner-bittlich davon. Bald war der Punkt erreicht, wo wir nur noch in Richtung Fehmarnsund-brücke segelten und dann sogar wieder als Motorboot unterwegs waren.

Anke:

Mittags steuerten wir die Fehmarnsund-brücke und Heiligenhafen an. Wir hatten den Ehrgeiz unter Segeln unter der Brücke herzufahren, während alle anderen Segler um uns herum nach und nach die Segel geborgen hatten. Je näher wir der Landenge kamen, desto mehr verstand ich auch warum: zusätzlich zum kräftigen Wind von mittlerweile 6 Windstärken war die Strömung hier so stark, dass ich Mühe hatte, das Ruder auf Kurs zu halten! Zumal die Fahrtrinne nicht gerade sehr breit ist. Wir bargen die Fock und refften das Groß. Kurz hinter der Brücke wurde es zum Glück ruhiger. Gg. 14.30 Uhr fuhren wir in den Hafen ein und hielten nach einer freien Box Ausschau. Es war wieder jede Menge los und der Hafen schon gut gefüllt. Mit der "Leine-um-den-Pfahl-Wickel-Technik" legten wir perfekt an.

Bettina:

Der Wind hatte zwar nicht nachgelassen, aber genau deswegen wollte Thomas die Yacht lieber kontrolliert mit Motorkraft unter der Brücke hindurchfahren. Die „Rock` n Roll“ ließ die Segel noch eine Weile länger gehisst, sodass wir sie wieder nur von Achtern bewundern konnten. Bei bestem Wetter passierten wir die Ansteuerungstonne Fehmarnsund und konnten jetzt die ganze Pracht der Brücke bewundern. Sie kam näher und wieder passte unsere Yacht locker untendurch, die Skepsis aus meinen Augen war längst verschwunden, ich fühlte mich fast schon wie ein abgeklärter Seemann. Nach der Brücke waren die Windverhältnisse nicht mehr so gut, sodass keiner mehr Lust verspürte die Segel noch einmal zu hissen, sondern wir tuckerten mit Motorkraft bis an den Steg in Heiligenhafen. Meine Güte, war das ein Gewimmel an Booten und an Menschen, genau wie bei meiner Anreise. So eine Hektik war genau das Gegenteil von dem, was wir vor kurzem noch auf hoher See erlebt hatten. Nur mit Mühe fanden wir einen Platz an einem Steg, legten erfolgreich mit dem Bug voran an, nur um nach kurzer Rücksprache von Thomas mit unserer Yachtvermietung einen neuen Platz zugewiesen zu bekommen. Also bitte das ganze Spektakel noch einmal von vorne, also einmal ab- und noch einmal anlegen. Doch bevor wir nun endgültig unsere „Hornet“ verließen, überreichten mir Thomas, Birgit und Simone ein Meilenbuch, worin unsere Reise dokumentiert war, mit Stempeln aus einigen Häfen, an denen wir angelegt hatten und, wie der Name schon sagt, mit Angabe der gesegelten Seemeilen, immerhin 170 SM. Ich war gerührt, damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet! Später las ich auch noch meine ausgeübte Tätigkeit an Bord, nämlich Deckshand. Ups, lt. Wikipedia hätte ich sogar zum Schrubben des Decks herangezogen werden können, wie gut, dass das keiner eingefordert hatte.

Meine Dankesworte gingen fast ein wenig unter, denn jetzt brach bei uns die strukturierte Hektik aus, da nun unsere Yacht schnell leer geräumt werden musste, um die Abnahme durch die Yachtvermietung zu ermöglichen. Es gab keinerlei Beanstandungen, alles lief reibungslos ab. Standardgemäß würde sogar gleich ein Taucher kommen, um zu prüfen, ob wir das Boot ja nicht unterhalb der Wasserkante beschädigt hatten. Das erstaunte mich schon sehr, aber auf der anderen Seite, hätten wir dem Prüfer viel erzählen können.

Im Anschluss daran holte ich mein Auto ein wenig näher an den Steg heran, was bei den vielen An- und Abreisenden äußerst schwierig zu bewerkstelligen war. Endlich schleppte ich meine zwei, schon heute unterwegs gepackten, Taschen zum Parkplatz. Damit war die Reise eigentlich vorbei, doch wir hatten uns vorgenommen, das Ende durch ein verspätetes, gemeinsames Abschlussessen ein wenig hinauszuzögern. Das war uns allen einfach wichtig. Ein Restaurant war schnell gefunden, noch einmal wurde gefachsimpelt, gelacht und erzählt und natürlich bestand das Abschiedsessen aus verschiedenen Fischgerichten...und der Tisch schwankte wieder ...und das nicht nur bei mir.

Anke:

2 Stunden später waren die Boote aus-geräumt, vom Vercharterer abgenommen und das Leergut entsorgt. Zum Abschluss gingen wir im Fischhaus lecker Fisch und Bratkartoffeln essen.

Ein toller Törn war’s – 182 Seemeilen stehen im neu erworbenen Meilenpass (danke Dietmar und Dieter!), wir hatten viel Spaß und ich habe jede Menge gelernt. Vielen Dank an meine Crew, unseren Skipper und an alle Mitsegler! Es ist nicht unwahrscheinlich dass ich im nächsten Jahr wieder dabei bin ;).

Bettina:

Unmittelbar drängte sich der Abschied nach dem Essen in den Vordergrund. Auf dem Parkplatz standen unsere Autos, vollgepackt, jedoch nicht nur mit Gepäck, sondern dazu mit unheimlich vielen, neuen Eindrücken und Erlebnissen beladen. Im Grunde wäre dafür einen Kombi nötig gewesen, anstatt meines Kleinwagens. Die Verabschiedung war sehr herzlich und dann wurde ich von Dietmar, dem Skipper der „Rock` n Roll“ mit den Worten bedacht: „Na, und jetzt haben wir eine Seglerin mehr gewonnen, oder?“ Nachdenklich, lächelnd wählte ich folgende Antwort: “Ja,...schauen wir mal.“ und ließ damit alles offen, obwohl ich ihm im Grunde fast zustimmte, da mir dieser Urlaub eine Welt eröffnet hatte, die mir bis dato völlig unbekannt und dabei durchaus faszinierend war. Zumindest würde ich gerne so eine Tour noch einmal mitmachen. (Unbedingt und am besten schon nächste Woche). Übermütig fügte ich gedanklich hinzu: “Aber bitte mit mehr Wind!“ Doch wer weiß, ob ich dann den Reisebericht nicht hätte anders formulieren müssen!?

 

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