Marine-Regatta-Verein Stützpunkt Bielefeld e.V.




IJsselmeertörn 14. - 18.05.2018

Unsere Crew – Simone, Heide, Patrick, Bernd, Birgit und ich – traf sich um kurz nach 10.00 Uhr in Jöllenbeck von wo aus wir dann gemeinsam zum nächsten Getränkemarkt fuhren, denn wir hätten fast das Wichtigste vergessen: Alster für alle Nichtsogernebiertrinker, damit wir die zukünftigen Anlegerbiere gemeinsam genießen konnten.
Als dann also wirklich alles an Bord war, gings los Richtung Holland. Zwar konnten wir erst um 16.00 Uhr offiziell unsere Yacht übernehmen, aber die freundlichen Enjoy-Sailing-Mitarbeiter waren bei unserer Ankunft um 14.00 Uhr schon so weit, dass wir aufs Boot konnten. Gewissenhaft wurde alles überprüft, kleinere Macken dokumentiert und fotografiert und als man uns noch die Heizung und das Umbauen des Salontisches erklärt hatte (das ist eine eigene Geschichte), war das Boot unser.


Es war dann doch schon 17.00 Uhr als wir, bei schönem Sonnenwetter und leichtem Wind, noch zu einer ersten Kennenlernfahrt aufbrachen. Da wir um diese Zeit nicht mehr durch die Schleuse wollten, probierten wir das Boot nur ein wenig am Rande und in der Fahrrinne des Prinzess-Margriet-Kanals aus. Aus Respekt vor dem Tiefgang von knapp 2 m machten wir dort keine Experimente. Wer will schon eine Viertelstunde nach dem Auslaufen freigeschleppt werden müssen? Wir waren schließlich zum Abendessen wieder bei Enjoy Sailing ließen es uns im Restaurant schmecken und genossen bei einem anschließenden Gang durch die Gemeinde den Sonnenuntergang.

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Am nächsten Morgen wurde in der Plicht gefrühstückt und wir konnten einer Ente (oder sowas – es konnte jedenfalls schwimmen) zusehen, wie man kleine Enten auf dem Rücken transportiert.

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Dann gingen wir auf große Fahrt. Die erste Aufregung war die große „Prinses Margrietsluis“, in die wir als erstes Boot einlaufen durften. Verfolgt von einigen anderen Booten machten wir ganz am Ende der Schleuse fest und ehe wir uns versahen, hatten wir schon die erste Hürde hinter uns. Alles war gut gegangen und der Höhenunterschied von gefühlten 5 cm war kaum zu bemerken.
Die unendlichen Weiten des Ijsselmeeres lagen nun vor uns. Etwas weiter draußen setzten wir die Segel und mit Geschwindigkeiten von bis zu drei Knoten jagten wir auf Enkhuizen zu. Bei herrlichem Sonnenschein durfte jeder mal ans Ruder. Es wurden Snacks gereicht, Frikadellen verspeist, was nur fehlte waren Sekt und Kaviar (müssen wir nächstes Mal dran denken).
Vor Enkhuizen frischte der Wind dann auf und wir bekamen schon einen leichten Vorgeschmack auf das, was uns noch erwartete.
Der Compagnieshaven von Enkhuizen ist riesig groß und der Hafenmeister wies uns einen Liegeplatz am anderen Ende zu sodass wir beim Besuch der Sanitäranlagen immer einen ausgedehnten Spaziergang machen konnten.

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Wir waren am frühen Nachmittag angekommen und nach dem Anlegerbier hatten wir genug Zeit um uns den Ort anzusehen. Wir genossen köstliches Softeis mit Krokant- oder Schokoladenüberzug, schlenderten durch die netten Gassen und bewunderten die alten, schön erhaltenen Häuser.

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 Als uns der kleine Hunger überkam, gab es im alten Stadthafen leckere Burger. On Top bestellten Bernd und ich uns noch ein „Dubbel Leckertje“.

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Beim Bestellen konnte man nur erahnen, dass es sich dabei um ein Bier handeln musste. Gebracht wurden dann zum Bier in der Flasche je zwei Gläser. Ein Großes und ein Schnapsglas. Der Kellner öffnete die Flasche und goss ganz langsam und vorsichtig zuerst in das große Glas eine rötliche Flüssigkeit und den Rest der Flasche, etwas Bräunliches, in das Schnapsglas. Wir schauten uns etwas irritiert an, während der Kellner schnell verschwand. Wohl um den Fragen auszuweichen, die uns jetzt ins Gesicht geschrieben waren. Wir probierten also einfach vorsichtig. Als sich ein doppelt-leckerer Geschmack einfach nicht einstellen wollte, fragten wir den nächsten Kellner, wie man mit dem Getränk umgehen muss, bekamen allerdings nur zu hören, das sei vollkommen egal. Man könne beides separat trinken oder auch alles wieder zusammenschütten. Nun gut. Wir begannen zu experimentieren, mehr als mittellecker wurde es aber nicht.

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Um diese Erfahrung reicher beendeten wir unseren Spaziergang, kehrten zum Schiff zurück und ließen den Abend bei Bier, Wein und Kartenspiel ausklingen.
Über Nacht frischte der Wind auf und es pfiff ordentlich durch die Wanten. Für unsere Überfahrt nach Urk kamen Wind und Wellen nun mit kräftigen vier bis fünf Windstärken von schräg achtern, was nicht die angenehmste Richtung ist. Das zweite Frühstück ließen wir daher ausfallen. Ein Apfel musste bis nach Urk reichen.

Wir kamen flott voran und schon kurz nach Mittag waren wir in Urk. Eine freie Box war schnell ausgemacht. Unser Anlegemanöver klappte prima, alle waren auf ihren Posten und ruck zuck waren wir vorwärts in die Box gefahren und fest. Bis wir bemerkten, dass Bernd zwar prima auf den Steg gesprungen war, aber ohne Räuberleiter nicht wieder hoch kam. Etwa ein Meter Höhenunterschied war zu überwinden, was niemandem gefallen wollte. Also alles wieder los und rückwärts in die nächste Box. Bernd war schon mal hingelaufen und konnte die Achterleine annehmen und auch wenn die Crew des Nachbarschiffes etwas verstört zu uns herüber sah, waren wir schließlich auch hier gut verzurrt und mit der heruntergeklappten Badplattform hatten wir jetzt ein breites und komfortables Eingangsportal.

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Urk, das früher mal eine Insel war, ist auch ein nettes Örtchen und dessen Leuchtturm kann man schon von weit her sehen (wie es sich ja auch für einen Leuchtturm gehört).

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Es gibt hier einen frisch renovierten Hafen mit einem Hafenmeister, der mit seinem, zum fahrenden Büro umgebauten Golfmobil hin- und herflitzte und Geld einsammelte. Die Sanitäranlagen sind allerdings noch die alten und werden nur provisorisch von Containern mit WCs, Wasch- und Duschgelegenheiten unterstützt. Wir nahmen es gelassen, denn sauber war alles.

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Ein Spaziergang durch den Ort ist ein Muss! Kleine Gassen mit niedlichen Häusern, ein Museum und ein schöner Leuchtturm auf einer Anhöhe, die man für holländische Verhältnisse schon in die Kategorie „Berg“ einstufen kann.

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Der Wind frischte weiter auf und wir waren froh, sicher im Hafen zu sein. Es war zwar immer noch sonnig, aber es wurde kälter. Offenbar hatten uns die Eisheiligen erwischt. Wir suchten uns zum Abendessen ein Restaurant am Hafen wo wir geschützt hinter einem großen Fenster unter anderem die ersten Maischollen serviert bekamen.

Den Rest des Abends verbrachten wir wieder spielenderweise im Salon.

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Dann war Donnerstag. Der Wind hatte leicht abgeflaut und das Auslaufen verlief problemlos. Weiter draußen wurde es dann wieder mehr und nur das Großsegel reichte aus um gut voranzukommen. Allerdings nur gefühlt, denn der Wind kam genau daher, wo wir hin wollten. Also hieß es kreuzen. Es war ein gutes Stück Arbeit bis Urk endlich kleiner wurde.

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Glücklicherweise drehte der Wind dann leicht nach Norden, was es uns etwas einfacher machte. Immer entlang der Windräder kämpften wir uns auf Lemmer zu und erreichten schließlich die alte Schleuse, durch die wir direkt in den Ortskern gelangten. Hier wollten wir abends noch etwas schönes essen und die Nacht verbringen.

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Wir fanden einen der letzten freien Anlegeplätze und gönnten uns das letzte Anlegerbier. Direkt im Ort zu liegen ist schon schön. Man geht von Bord und ist mitten im Geschehen. Der einzige Nachteil sind die sanitären Anlagen, die spezielle Öffnungszeiten haben (sind nachts geschlossen) und besonders einladend sind sie auch nicht. Dafür wird man von der freundlichen Klofrau noch zur Kasse gebeten. Für diese Nacht waren also die Bordtoiletten erste Wahl.


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Wir schlenderten durch den Ort und beim Italiener „La Gondola“ wurde eingekehrt. Köstliche Pizza, leckeres Bier und guter Wein rundeten den letzten Abend ab und wir blieben gerne für noch eine zweite Runde Getränke dort sitzen.

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An nächsten Morgen legten wir nach dem Frühstück zum letzten mal ab und motorten die letzten eineinhalb Seemeilen bis zu Enjoy Sailing. Ein schöner Törn war zu Ende. Außer Regen hatten wir fast alles in den vier Tagen erlebt. Von Sommerwetter mit Fastflaute bis orkanartigen Böen und gewaltigem Wellengang war alles dabei. Und nach dem Durchzählen konnten wir auch feststellen, dass wir vollzählig dieses Abenteuer überstanden haben.

Dank noch einmal an meine tolle Crew. Mit Euch gerne wieder!

Thomas

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