Marine-Regatta-Verein Stützpunkt Bielefeld e.V.




Greiftörn vom 03.-06.05.2018

Am Donnerstag Mittag sammelten Werner und Anne mich und Dietmar ein und es ging los Richtung Greifswald. Von Bielefeld ein wenig A2, dann über Celle und Uelzen an Schwerin vorbei auf die A20 bis zum Liegeplatz der Greif im Ortsteil Wieck. Das Navi leistete gute Arbeit und wir hatten kein Problem, die Greif zu finden.

Bei tollem Wetter checkten wir ein und bezogen unsere Kojen. Ein wenig überrascht waren wir schon, als wir den „Schlafsalon“ betraten.

Viel Platz zum Tanzen war dort nicht. Der „Saal“ war gerecht aufgeteilt. Rechts kamen wir unter, die Steuerbordwache. Wir hatten vier Doppelstockbetten zur Verfügung sowie zwei Kammern für je zwei Personen. Dazu gab es noch eine Hängematte, die sich zwischen die Betten kuschelte. Das Ganze gab es links für die Backbordwache noch einmal sodass der Schlafsaal für die Nacht mit ca. zwanzig Personen plus acht weitere in den Kammern gefüllt war. Bereits zu diesem Zeitpunkt war uns klar, dass wir die kommenden Nächte in einer sehr authentischen Aroma- und Geräuschkulisse verbringen würden. Das Abenteuer konnte beginnen!

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Jörg Jonscher sowie Peter und Kiksi, hatten wir schon direkt bei der Ankunft begrüßt, denn sie waren nur wenige Augenblicke vor uns angekommen. Jörg hatte kräftig die Werbetrommel gerührt und dafür gesorgt, dass unsere Wache am Abend voll belegt war. Außer Simone und Robin von uns Bielefeldern waren noch Reiner Sonntag nebst Frau und Freundin dabei. Der MRV war also gut vertreten.

Nachdem wir also schon mal die Betten bezogen hatten, gab es die Möglichkeit, zur Stärkung eine Kartoffelsuppe einzunehmen. Wir waren allerdings gleich auf den, zur Zapfanlage umgebauten, Behälter einer Rettungsinsel gestoßen und testeten erst mal dessen Funktion und die Qualität des Inhalts.

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Da wir nicht wussten, wann es in den nächsten Tagen außer Pökelfleisch, Zwieback und Rum mal wieder etwas Ordentliches zu essen geben würde, gönnten wir uns vorsichtshalber im Wiecker Restaurant „Zur Fähre“ noch eine Fischplatte. (Die Befürchtung stellte sich aber als unbegründet heraus, denn der Koch der Greif machte einen prima Job.)

Der Abend verging wie im Fluge und nachdem uns der Rettungsinselbehälter noch ein, zwei Mal zu Diensten war, kletterten wir in die Kojen.

Am nächsten Morgen war um sieben Uhr Wecken. Jörg und ich waren natürlich (wie konnte es auch anders sein?) gleich zum Backschaftsdienst eingeteilt und quälten und schon eine viertel Stunde vorher aus dem Bett. Etwas verschlafen schauten wir um die Ecke in die Kombüse und stellten fest, dass es offenbar schon andere Frühaufsteher gegeben hatte, die uns bereits die Arbeit abgenommen hatten. Wir beschwerten uns nicht, frühstückten und genossen den herrlichen, sonnigen Morgen.

Es folgte eine offizielle Begrüßung durch den Kapitän, eine Sicherheitseinweisung und schließlich wurde das Aufentern in die Wanten geübt. Zur Absicherung bekamen wir Gurtzeug mit dem man sich oben überall einklinken konnte und somit überhaupt nichts passieren konnte. (Sagte der Bootsmann, der selbst nicht in die Takelage kletterte.)

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Nun gut. Was andere können, kann ich auch, dachte ich mir und begann hinter vielen anderen hinaufzuklettern. Bis zur ersten Saling war alles kein Problem. Dann allerdings waren Freeclimber-Qualitäten gefragt, denn irgendwie musste man auf die Plattform kommen, die sich nun direkt über meinem Kopf befand. Dank der Besatzungsmitglieder, die sich an den schwierigsten Stellen positioniert hatten, gelang mir aber auch das. Ich bemerkte allerdings auch, dass es nicht schaden konnte, mal wieder etwas für die Fitness zu tun. Die jüngeren Besatzungsmitglieder (wie Dietmar) kletterten doch deutlich leichtfüßiger hier herum und als ich mich zwischen dem Geländer der Saling und dem Mast hindurchquetschen musste keimte in mir die Idee, ein Fitnessstudio zu besuchen.

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Dieser erste Ausflug in die Takelage war dann bald abgeschlossen und wir konnten in See stechen. Das Wetter meinte es gut mit uns. Die Sonne schien von einem wolkenlosen Himmel und weiter draußen kam auch ein angenehmes Lüftchen auf, sodass wir Segel setzen konnten.

Dazu kam Leben ins Schiff. Jede Hand wurde gebraucht. Manche kletterten wieder hinauf um die Segel zu lösen, andere bedienten unter Anleitung der Besatzung die Unmengen an Leinen, die benötigt wurden um die Rahen zu Positionieren, Bäume auf- und abzulassen und natürlich die Segel zu setzen. Wir waren fast zwei Stunden beschäftigt bis wir fast mit „Vollzeug“ unterwegs waren.

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Was für ein Erlebnis! Dieses Schiff glitt nun majestätisch mit prallen Segeln unter blauem Himmel dahin. Kein Motorgeräusch störte diese großartige Szenerie. Wir segelten so dahin. Wer nicht gerade „Ausguck“ hatte, als Rudergänger eingeteilt war oder in der Kombüse „Backschaft“ hatte, genoss einfach nur den Augenblick.

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Schließlich gab der Kapitän den Befehl, die Segel wieder einzuholen, denn wir wollten in Swinemünde doch lieber unter Motor und nicht segelnderweise einlaufen. Dazu wurden alle wir alle aus unserer andächtigen Stimmung gerissen und mussten wieder mit anpacken um die Segel einzuholen. Auch diese Aktion brauchte wieder knapp zwei Stunden.

Dann kam die Hafeneinfahrt in Sicht. Natürlich zweifelte niemand die navigatorischen Fähigkeiten des Kapitäns an, aber eine Windmühle in der Hafeneinfahrt deutete ein wenig auf Holland hin. Nach dem Anleger im Industriehafen machten wir uns also auf den Weg um (Zwecks Brötchennavigation) Brötchen zu kaufen.

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Gut. Brötchen gab es um 21.00 Uhr nicht mehr, aber es stellte sich schnell heraus, dass wir tatsächlich in Polen waren. Ein kleiner Gang durch die Gemeinde und anschließend ein frisch gezapftes Bierchen aus dem Rettungsfloß sorgten schnell für die nötige Bettschwere und man verschwand an diesem Abend recht schnell in der Koje. Segeln mit so viel Handarbeit ist man eben doch nicht so gewohnt.

Wir schliefen sehr gut und auch der nächste Morgen begrüßte uns mit herrlichem Sonnenschein. Es wurde zügig abgelegt und als das Schiff das betonnte Fahrwasser verlassen hatte, wurden wieder die Segel gesetzt.

Das ging schon schneller als am Tag zuvor und man sah auch dass die Kletterer sich deutlich sicherer in der Takelage bewegten. Leider wollte der Wind nicht so recht mitspielen und nachdem wir ein bis zwei Stunden mit einer „Geschwindigkeit“ von kaum mehr als einem Knoten vor uns hin dümpelten, wurde der Motor wieder gestartet.

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Wir liefen Lauterbach auf Rügen an. Ein nettes Örtchen, das jetzt in der Vorsaison noch ein wenig verschlafen wirkte. Das Wetter ließ uns auch weiter nicht im Stich, es war an diesem Abend sogar noch etwas wärmer und der Sonnenuntergang lud uns zu einer netten Runde um das Rettungsfass ein. Wir bekamen noch Besuch von zwei Segelfreunden von Reiner Sonntag und man ließ den Tag bei Seemannsgarn und Bierchen ausklingen.

Schon war Sonntag. Da wir gegen 10.30 Uhr wieder im Heimathafen sein wollten, mussten wir schon vor dem Frühstück auslaufen. Leider war aufgrund des kurzen Schlages bis nach Wieck und auch wegen des jetzt komplett fehlenden Windes Segeln nicht mehr möglich. Wir genossen trotzdem den herrlichem Sonnenschein und als das Schiff so durch das spiegelglatte Wasser glitt, machte sich Abschiedsstimmung breit.

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Es war eine schöne Zeit. Wenn auch nur kurz, so haben wir doch einen schönen Einblick in die Welt der Großsegler bekommen und wissen nun, was es bedeutet, mit so einem Schiff zu reisen. Wie viel Arbeit Segeln bedeuten kann und dass das Boot eine Crew zusammenschweißt. Denn nur wenn alle mit anpacken ist das Erlebnis perfekt.

Thomas Zühlke
MRV Bielefeld

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